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Darf ich bitten zum „Ball im Savoy?

Christoph Späth und Dagmar Manzel bei der Operette „Ball im Savoy“.
Christoph Späth und Dagmar Manzel bei der Operette „Ball im Savoy“.

Es war ein Hit der späten Weimarer Republik: Die Operette „Ball im Savoy“ wurde im Dezember 1932 uraufgeführt, drei Monate später aber von den neuen NS-Machthabern verboten. Mehr als 80 Jahre nach der Absetzung der Jazz-Revue des ungarisch-jüdischen Komponisten Paul Abraham hat die Komische Oper Berlin das Stück wiederentdeckt – ein furioser Tanz auf dem Vulkan, die Premiere am Sonntagabend mit Dagmar Manzel, Katharine Mehrling und Helmut Baumann wurde stürmisch gefeiert. Dass das Stück den Nazis missfallen würde, war abzusehen: Mit der Mischung aus Jazz, Wiener Schmelz und Klezmer hatte Abraham eine Revue geschaffen, die für Modernität und Weltoffenheit stand – eben für die „goldenen Jahre“ Berlins.

Als Verwechslungskomödie kreist „Ball im Savoy“ wie auch sonst die meisten Operetten um Seitensprung, Treue und Doppelmoral und ätzt böse über vermeintliches Eheglück. Und die Revue bietet jene Zutaten, die einst das Exotische verhießen: Einen türkischen Diplomaten aus bestem Haremsbesitzer-Stall, eine feurige Argentinierin, viel Foxtrott, „flotte Hottentotten“ und jiddischen Sound. Barrie Kosky, der umtriebige Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper, hatte schon bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr angekündigt, dass er sich stärker an die Traditionen des Hauses anlehnen wolle. Er meinte das wörtlich: In der Komischen Oper war bis 1944 das Metropol-Theater unterbracht, jene Bühne, die „Ball in Savoy“ produziert hatte.

Der Australier Kosky hat die Nummernrevue aber in eine rasant-schrille Show verwandelt – mehr als drei Stunden Kabarett-Spektakel.

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