Januar 7, 2010
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Film/Kino von Sabine Rackelmann

Das richtige Gesicht für ein altes Foto

Der Film „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ wird am 15. Februar um 19.45 Uhr im Kino für Kenner in Prenzlau gezeigt.

Vicky (zweite Reihe, Zweite von links) mit ihren Filmgeschwistern. Ihre Kleidung lässt sie zu Kindern aus dem vorherigen Jahrhundert werden.
Vicky (zweite Reihe, Zweite von links) mit ihren Filmgeschwistern. Ihre Kleidung lässt sie zu Kindern aus dem vorherigen Jahrhundert werden.
Foto: privat
Uckermark (sr)  

Ein Haus im norddeutschen Eichwald: Am Esstisch hält der Dorflehrer (Christian Friedel) beim Hausherrn (Detlev Buck) um die Hand der ältesten Tochter Eva (Leonie Benesch) an. Die kleinen Geschwister kichern, der Vater ruft „Ruhe!“. Dies ist eine Szene aus Michael Hanekes Kino-Streifen „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“. Eine der Kichererbsen ist Vicky Rösler (12) aus Eickstedt bei Prenzlau.

Der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete und für den Oscar nominierte europäische Film erzählt von ländlichem Leben kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Jugendlichen des Dorfes und ihre Eltern, deren Erziehungsmethoden eine Kette grausamer Taten in Gang setzen. Harmlos: ein ermordeter Wellensittich im Pfarrhaus. Vielleicht die Strafe dafür, dass der Geistliche seinen pubertierenden Sohn wegen der Entdeckung der eigenen Sexualität an den Bettpfosten gebunden hat?

Für die Besetzung der zehn Hauptrollen und vielen Nebenrollen wurden 7000 Jungen und Mädchen vor laufender Kamera in sämtlichen Schulen der Republik interviewt. Wer ins schwarzweiße Filmbild passte, kam weiter. Vicky, die in der Aktiven Naturschule Prenzlau am Casting teilnahm, zählte zu den Auserwählten „Sie haben mich genommen, weil ich rote Haare habe“, sagt sie und schaut auf ihre Hände. Nicht nur. Die Gesichter der Darsteller wurden aufgrund ihrer Authentizität ausgesucht, hätten auf ein altes Foto gepasst, erklärt Regisseur Haneke in einem Gespräch mit Journalisten.

Keine Luftsprünge, als die damals elfjährige Eickstedterin erfährt, dass sie dabei ist. Sie schwankt zwischen „Ich würde gern“ und „Ich trau’ mich nicht“. Doch sie folgt der Einladung nach Johannstorf in Nordwestmecklenburg, einem der Orte, die zwischen Juni und September 2008 als Drehort dienten.

Eine einzige wieder und wieder gedrehte Szene dauert ihr Ausflug in die Welt des Films. Mit Zöpfen, in einem dunklen Kleid aus Wollstoff, langen Strümpfen und Halbschuhen, die bis ins Detail original aus der Zeit um 1913/14 stammen. „Als plötzlich ein Flugzeug über uns auftauchte, wurde der Dreh gestoppt und panisch herumtelefoniert, um den Flieger aus der Luft zu holen“, erinnert sich Vicky an die Genauigkeit der Filmleute und grinst.

Bei der Premiere Anfang Oktober 2009 hat sich das Mädchen auf der großen Leinwand des Delphi-Filmpalastes am Berliner Zoo gesehen. „Ich bin kaum zu erkennen, aber es war schon aufregend, dabei zu sein“, sagt Vicky. Sie fühlt sich ein Stück gewachsen. Demnächst auch für eine größere Rolle.

Der Film „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ wird am 15. Februar um 19.45 Uhr im Kino für Kenner in Prenzlau gezeigt.

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