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Die unfreiwillige Muse der Popkultur

Blumen liegen vor der Tür der „Eisernen Lady“ in London. Doch es trauern nicht alle um Maggi Thatcher.
Blumen liegen vor der Tür der „Eisernen Lady“ in London. Doch es trauern nicht alle um Maggi Thatcher.

Viele Künstler haben Margaret Thatcher gehasst und ihre Politik bekämpft. Mit ihren sozialen Einschnitten zog die „Eiserne Lady“ Wut auf sich und löste in den 1980er Jahren unfreiwillig ein kulturelles Erdbeben aus. Ob Punk oder Rock, gar Popbands wie „Wham!“ – die Abneigung gegen die britische Premierministerin vereinigte sie. Nicht selten sangen die Musiker den Tod Thatchers herbei.

„Wenn wir Dich endlich unter die Erde legen, dann stell ich mich auf Dein Grab und trete den Dreck fest“ drohte 80er-Jahre-Star Elvis Costello einst im Song „Tramp The Dirt Down“ an. „Wann wirst Du sterben?“, „Bitte stirb“ rief Smiths-Sänger Morrissey der damaligen Premierministerin im Jahr 1988 entgegen, in „Margaret On The Guillotine“.
Bis heute wird die Kreativität der Thatcher-Jahre in Musik, Literatur, Film und Kunst gefeiert. Kunstgigant Charles Saatchi, Schriftsteller Hanif Kureishi, Filmemacher Ken Loach – Thatcher prägte sie alle.

Hass-Ikone britscher Künstler

Die „Eiserne Lady“ ist als eine Art Hass-Ikone der britischen Popkultur verewigt. „Sie war eine Art Katalysator für Kreativität“, beschreibt es BBC-Kulturkorrespondent Will Gompertz. „Hat irgendein anderer Politiker der Nachkriegszeit so viel künstlerischen Output provoziert?“ Thatcher selber galt nicht als besonders kulturell interessiert – wovon man sich laut Gompertz aber nicht täuschen lassen darf. Sie habe selber Klavier gespielt, im Bach-Chor in Oxford mitgesungen und einiges über Oper gewusst.

Zahlreiche Künstler und Musikfans hatten Thatchers Todestag in jungen Jahren herbeigesehnt. Als die Nachricht von ihrem Tod dann am Montag die Runde machte, herrschte aber seltsame Ruhe. Nur wenige Hundert kamen zu Straßenpartys in Glasgow oder Südlondon, bei denen auf Thatchers Tod mit Champagner angestoßen wurde. Von den Künstlern selbst griff kaum jemand auf sein einstiges Vokabular zurück. Wenn überhaupt, machte man sich in sozialen Netzwerken Luft.

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