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Drogenkrieg im Theater um die mutigste Frau Mexikos

Mexikanische Soldaten bewachen in Tijuna die Verbrennung von 134 Tonnen Marihuana, die zuvor sichergestellt wurden. Über 47 000 Menschen sind in den vergangenen fünf Jahren in Mexikos Drogenkrieg ums Leben gekommen.  FOTO: Sashenka Gutierrez/Archiv
Mexikanische Soldaten bewachen in Tijuna die Verbrennung von 134 Tonnen Marihuana, die zuvor sichergestellt wurden. Über 47 000 Menschen sind in den vergangenen fünf Jahren in Mexikos Drogenkrieg ums Leben gekommen. FOTO: Sashenka Gutierrez/Archiv

VonEmoke Bebiak

Eine New Yorker Bühne bringt den Kampf einer jungen Frau gegen die Drogenbanden Mexikos auf die Bühne. Es ist eine Geschichte des Scheiterns – der Politik, persönlicher Beziehungen, der Gesellschaft.

New York.Es ist kein optimistisches Theaterstück, das zurzeit im New Yorker „La MaMa“-Theater gegeben wird. „So Go The Ghosts of Mexico“ (deutsch etwa: Dann gehen die Geister Mexikos) erzählt die Geschichte eines aussichtslosen Kampfes. Es ist die Geschichte von Marisol Valles García. Sie galt als ein Symbol des Widerstands gegen die Drogengangster in Mexiko. Valles García traute sich, wozu vielen Männer der Mut fehlte – sie ließ sich zur Polizeichefin aufstellen. Doch die Gewalt war stärker.
Für Valles García war es schwierig, Aspekte ihres Lebens auf der Bühne des „La MaMa“-Experimentaltheaters zu sehen. Mari, die Hauptfigur des Stücks, versucht, den Teufelskreis aus Gewalt und traditioneller Rollenverteilung zu durchbrechen. Sie muss aber erkennen, dass sie nur wenige Verbündete hat: die Erinnerungen der Verstorbenen und die Hoffnungen der Ungeborenen. In diesen „Phantomen“ – die ungeborene Tochter und ihr getöteter Vorgänger als Polizeichef –, die im Stück eine große Rolle spielen, stecke viel Wahrheit, meinte Valles García.
Im Jahr 2010 wurde die damals erst 20-Jährige neue Polizeichefin von Práxedis G. Guerrero, einer Kleinstadt nahe der US-Grenze. Andere Bewerber hatte es nicht gegeben. Ihr Vorgänger war enthauptet worden. Sie versuchte, die Drogenkriminalität mit sozialen Projekten zu bekämpfen. Doch schon bald erhielt auch sie Morddrohungen und flüchtete mit ihrer Familie nach nur wenigen Monaten im Amt. In den USA beantragte sie Asyl. In Mexiko habe sich seitdem nichts geändert, so Valles García anlässlich der Premiere des Theaterstücks. „Ich weiß um die andauernde Gewalt und den Horror in Mexiko“, sagte sie.
Sie möchte die Augen der Weltöffentlichkeit wieder auf Mexiko lenken: Auf das Ausmaß der durch den Drogenhandel verursachten Gewalt, auf die ineffizienten Methoden, mit denen die Regierung die Drogenbanden bekämpft, und auf das schwere Los der Mexikaner, die in den USA Zuflucht suchen. Er wollte über die Gewalt in Mexiko schreiben, über die in den Medien nicht berichtet wurde, sagte Matthew Paul Olmos, der Autor des Stücks. Die Lebensgeschichte von Valles García sei dafür eine gute Inspiration gewesen. „Diese Idee, Waffengewalt nicht mit Waffengewalt zu bekämpfen, sondern sich auf Erziehung und auf die Kinder zu konzentrieren, erschien mir sehr offensichtlich und auch seltsamerweise einzigartig.“
In dem Stück treffen nicht nur Geschlechterrollen aufeinander – die Männer sind entweder tot, machtlos oder Jammerlappen. Die schärfste Kritik geht an die Adresse der USA. Die mexikanischen Gangster haben zwar die Finger am Abzug, doch die Amerikaner haben das Sagen. Ironischerweise ist es jedoch ein US-Dealer, der Mari am Ende anbietet, mit ihm nach Amerika zu gehen. Dort könne sie eine Medienheldin sein. Mari muss wählen. Entweder setzt sie ihren Kampf fort oder flieht aus ihrem Land und vor ihren Geistern.

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