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Hochsicherheitstrakt für den goldigen Wikinger-Schatz

Der weltberühmte Goldschatz von Hiddensee ist  mit der sagenhaften Summe von 75 Millionen Euro versichert.
Der weltberühmte Goldschatz von Hiddensee ist mit der sagenhaften Summe von 75 Millionen Euro versichert.

Seit Jahrzehnten liegt der Schatz streng behütet im Tresorkeller einer Stralsunder Bank. Versichert mit der sagenhaften Summe von 75 Millionen Euro wurde das Original des berühmten Goldschmucks von Hiddensee nur selten und dann stets unter höchster Polizeipräsenz der Stralsunder Öffentlichkeit gezeigt. Einige Male ging der Wikinger-Fund zu Sonderausstellungen nach Schleswig, Speyer, Hildesheim, Berlin, Kopenhagen und Paris auf Reisen. Nun soll der Schatz für immer aus dem dunklen Tresor geholt und in einer Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Für das bislang aufwändigste Projekt des Stadtmuseums wird voraussichtlich ab diesen Herbst ein separater Ausstellungsraum im ehemaligen Katharinenkloster restauriert und zu einem Hochsicherheitstrakt umgerüstet. Über Sicherheitsdetails gibt sich Museumsdirektor Dr. Andreas Grüger, bedeckt. Nur so viel: „Der westliche Klausurbereich, der schon zu Klosterzeiten für den normalen Stadtbürger unzugänglich war, wird mit modernster Sicherheits- und Alarmtechnik ausgestattet. Gleich neben dem Winterremter, wo sich einst die Dominikanermönche zu Versammlungen und wohl auch zur Esseneinnahme trafen, wird der Museumsbesucher künftig die 16 filigranen Originale des berühmten Wikinger-Goldschmucks hinter dickem Panzerglas zu Gesicht bekommen.“

Viele Rätsel ranken sich um den Schmuck

Mit dem vermutlich um 950 und 1000 in einer dänisch-wikingschen Goldschmiedewerkstatt hergestellten Schatz verbindet sich eine Reihe von Rätseln. Wem gehörte er? Hatten Piraten das Gold auf Hiddensee versteckt oder Wikinger auf der Flucht vor Feinden? Vielleicht war es ein kalter Wintertag, als Wikingerkönig Harald Blauzahn Ende des ersten Jahrtausends auf der Flucht vor seinem Sohn Sven Gabelbart Hiddensee ansteuerte und schwer verwundet den Schmuck in den Dünen vergrub. „Wir wissen es nicht“, sagt Archäologin Heidemarie Eilbracht, die vor elf Jahren in einem Berliner Hochsicherheitslabor zusammen mit französischen Experten das Original unter einem Elektronenmikroskop untersucht hatte.

Fischer fanden Tongefäß nach Sturmflut

Unklar blieben bis heute auch die wahren Umstände des Sensationsfundes. Angeblich hatten Hiddenseer Fischer nach den schweren Sturmfluten von 1872 und 1874 in einem überfluteten Garten nördlich von Neuendorf und Pogshagen ein Tongefäß entdeckt, in dem sich das glänzende Gold befand.

Dass es den Wikinger-Schatz heute noch gibt, ist nicht nur dem damaligen Direktor des Provinzialmuseums für Rügen und Vorpommern, Rudolf Baier, zu verdanken. Er hatte 1880 den Wert des Fundes erahnt, ihn erworben und in einer einfachen Aktentasche verpackt nach Berlin zur Besichtigung durch den deutschen Kaiser gebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gold in eine Stettiner Bank ausgelagert. Nach der Bombardierung soll es buchstäblich auf offener Straße gelegen haben. Wieder im Museum vergrub der damalige Museumsdirektor den Schatz in Holthof bei Grimmen, um ihn vor den Nachwirren des Krieges zu bewahren.

Im Moment befindet sich der Schmuck auf dem Weg nach Dänemark, wo es ab Juni im Nationalmuseum Kopenhagen gezeigt wird. Die neue Dauerausstellung, die voraussichtlich 2015 im Kloster eröffnet wird, soll auch den Peenemünder Goldschatz im Original zeigen, der 1905 entdeckt wurde.

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