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Huren-Leben auf der Bühne

Das Doku-Theaterstück am Deutschen Theater in Göttingen beleuchtet den Alltag der Prostituierten in Deutschland. [KT_CREDIT] FOTO: dpa
Das Doku-Theaterstück am Deutschen Theater in Göttingen beleuchtet den Alltag der Prostituierten in Deutschland. [KT_CREDIT] FOTO: dpa

Von dpa-Korrespondent
Matthias Brunnert

Luxusverdienst im Escort-Service, Erniedrigung im Flatrate-Bordell, thera- peutische Sexbegleitung im Altersheim: Prostitution kann viele Facetten haben. In Niedersachsen kommen die Erlebnisse der leichten Damen auf die Bühne.

Göttingen.„Ich bin Geliebte auf Zeit. 200 Euro die Stunde, egal was wir machen“, sagt Maria, die ihr Geld im Escort-Service verdient. Eine junge Osteuropäerin, die Freiern in einem Flatrate-Bordell zum Festpreis zu Willen sein muss, meint: „Manchmal willst du nur tot sein.“ Das Stück „Rotlicht“, das im Deutschen Theater Göttingen vom Ensemble werkgruppe2 uraufgeführt wurde, gibt Einblicke in das Leben von Prostituierten in Deutschland.
Niemand weiß, wie viele Huren es hierzulande gibt. Schätzungen zufolge sollen es 400000 sein, mehr als die Hälfte Migrantinnen, mit rund 1,2 Millionen Freiern am Tag. Regisseurin Julia Roesler und die Dramaturginnen Anna Gerhards und Silke Merzhäuser haben überall in Deutschland mit Prostituierten gesprochen, in Bordellen, auf dem Straßenstrich oder im Domina-Studio.
Männer gehen unabhängig von Alter, Bildungsstand, politischer und religiöser Zugehörigkeit zu Prostituierten, sagt Roesler. Mit „Rotlicht“ wolle die werkgruppe2 eine Tabuzone beleuchten und das Schicksal von Menschen zeigen, mit dem man sich sonst eher nicht auseinandersetzt. Die Interviews mit den Prostituierten waren die Grundlage für das Dokumentations-Stück, das die unterschiedlichsten Facetten der Prostitution beleuchtet. In der musikalisch untermalten Milieustudie schildern die Frauen, wie sie tagtäglich ihr Geld verdienen, wie sie zu dem Beruf gekommen sind, was sie auszustehen haben, wovon sie träumen. Sechs Schauspielerinnen in wechselnden Rollen spielen die Schicksale, Geschichten und Anekdoten in der Sprache und Ausdrucksweise der Prostituierten nach.

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