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„Ich lebe jetzt, heute und nach vorne“

Erstmals seit der Lungentransplantation auf Tournee: Roland Kaiser.
Erstmals seit der Lungentransplantation auf Tournee: Roland Kaiser.

Herr Kaiser, wie geht es Ihnen?
Gut, danke schön.

Es ist Ihre erste große Tournee nach Ihrer Krankheit.
Das ist über drei Jahre her. Alles gut. Ich habe seit meinem Live-Comeback im Sommer 2011 bereits an die 80 Einzel-Konzerte gespielt, zum Beispiel auch in Schwerin.
 
Sie wollen darüber also gar nicht mehr so gerne sprechen?

Wer will sich schon gerne auf Vergangenheit reduzieren lassen. Ich lebe jetzt, heute und nach vorne und ich freue mich darauf, erstmals auch wieder en bloc unterwegs zu sein.

Gut, schauen wir in die Zukunft. Am 9. März treten Sie in Neubrandenburg auf. Was erwartet den Zuschauer?
Die Tournee steht unter dem Titel „Affären“. Das ist sowohl musikalisch als auch sprachlich und inhaltlich gemeint. Unter Affären verstehe ich nicht nur den Seitensprung, sondern allgemein temporäre Beziehungen. Die kann ich mit einer Stadt, mit Kunst, mit einem Auto, das ich gerne fahre, mit einem Fußballverein, dem ich zujuble, oder einem Publikum, mit dem sich eine besonders knisternde Atmosphäre herstellen lässt, haben. Oder wie jetzt im Fall meiner Tournee – Abend für Abend mit meiner Band und dem Publikum.

Hatten Sie schon so eine Affäre mit der Stadt Neubrandenburg?
Ich habe in Neubrandenburg schon großartige Konzerte mit viel Spaß und Freude gespielt. Es ist immer dann eine Affäre, wenn man sich in der Stadt befindet und man sich auf sie einlässt. Ich war mehrfach in Neubrandenburg. Ich erinnere mich an das Jahnsportzentrum, an das Hotel am Marktplatz, von dem aus man direkt 'rübergehen kann zum Einkaufszentrum. Ich kenne mich in der Stadt recht gut aus. Es ist die Viertorestadt. Nicht wahr?

Genau so ist es. Wie schaffen Sie es denn, die schönste Affäre zwischen Publikum und Ihnen herzustellen?
Es geht los, wenn man auf die Bühne kommt. Dann muss man sofort eine Atmosphäre herstellen, die den Abend vorbereitet. Das Publikum möglichst von der ersten Sekunde an begeistern. Das steigert sich im Laufe des Konzertes. Die letzten 30 bis 40 Minuten haben dann viel mit erotischem Knistern zu tun. Es ist eine latente Dauerspannung, eben die Affäre mit dem Publikum – und die macht einen Auftritt ja so schön. Das ist das Besondere an diesem Beruf. Das unterscheidet Live-Konzerte von der Arbeit im Studio. Oder vom Fernsehen, wo einen immer eine Mattscheibe vom Publikum trennt.

Sie lieben Konzerte?
Hallen- oder Open-Air-Konzerte – das ist die Königsklasse in meinem Beruf. Es bedeutet die meiste Nähe zu den Leuten.

Nun ist die aktuelle Konzertreihe eine Jubiläumstour. Hat sich denn über die Jahre etwas geändert? Haben sich das Publikum und deren Ansprüche verändert?
Ich habe bei mir eine deutliche Verjüngung des Publikums erlebt. Man muss mit den Arrangements der Stücke wie auch von der persönlichen Art her versuchen, nicht den Anschluss an die Zeit zu verlieren. Dabei muss man den eigenen Stil bewahren. Man darf nicht angepasst um jeden Preis sein oder jedem Trend hinterherlaufen.

Ist Schlager also jugendlich geworden?
Bei jungen Menschen gibt es eine Hinwendung zur Musik, die in eigener Sprache dargeboten wird – wenn sie zum Typ, der sie macht, passt. Wir haben mit unserer Sprache eine große Chance. Wir werden verstanden.