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In der Schlosskirche hängt der Himmel voller Sterne

Das Deckengewölbe in leuchtendem Ultramarinblau: Die Schweriner Schlosskirche, Mecklenburgs erstes reformatorisches Gotteshaus, soll nach jahrelanger Sanierung am Pfingstsonntag erneut eingeweiht werden.
Das Deckengewölbe in leuchtendem Ultramarinblau: Die Schweriner Schlosskirche, Mecklenburgs erstes reformatorisches Gotteshaus, soll nach jahrelanger Sanierung am Pfingstsonntag erneut eingeweiht werden.

Die letzten Handgriffe gelten der „Königin der Instrumente“ in Mecklenburgs erster reformatorischer Kirche im Schweriner Schloss. Orgelbauer Diethelm Baaske stimmt das 1951 in Potsdam gebaute Musikinstrument. Alle 1512 Pfeifen, die kleinsten davon nur zehn Millimeter und die größten fast zweieinhalb Meter lang, mussten überholt werden. Rund ein Jahr dauerte die Restaurierung der Orgel, erzählt Baaske.

Die Sanierung der gesamten Schlosskirche nahm mehrere Jahre in Anspruch und kostete insgesamt 4,5 Millionen Euro. Pfingstsonntag soll das Gotteshaus anlässlich seines 450-jährigen Jubiläums erneut eingeweiht werden. „Dieses neue Licht in der Kirche, das ist das schönste“, schwärmt Pastor Holger Marquardt, Probst der Schweriner Schlosskirchengemeinde. Noch nie sei Mecklenburgs erstes evangelisches Gotteshaus derart gründlich gereinigt worden. Kerzenruß und Staub der letzten Jahrhunderte wurden von Wänden, Decke, Altar und Gestühl gekratzt. „So hell sieht die Kirche in ihrer jetzigen Gestalt wohl zum ersten Mal aus“, sagt der Pastor. Wilfried Kroh vom Kirchgemeinderat lobt die moderne technische Ausstattung des alten Gebäudes mit Ton- und Lichtanlage, Heizung und Treppenlift.

Ausstattung orientiert sich an Luthers Ideen

Erbaut von 1560 bis 1563 im Auftrag von Herzog Johann Albrecht I., sei die dem Land gehörende Schlosskirche der erste protestantische Sakralbau im Nordosten überhaupt, erklärt Inga Schreiber, Baureferentin des Landtags, des Schlossherrn in Schwerin. Die exzellente Ausstattung des Gebäudes habe sich an Martin Luthers Ideen für den evangelischen Predigtgottesdienst orientiert.

Während des Schlossumbaus im 19. Jahrhundert durch Georg Adolph Demmler (1804-1886) wurde die Kapelle um einen neugotischen Sandstein-Chor nach Entwürfen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) erweitert, erläutert Schreiber. Zeitgleich wurden die Wände großflächig mit Gemälden verziert. Das Deckengewölbe erhielt ein leuchtendes Ultramarinblau sowie Tausende goldene Sterne. Diese erstrahlen nun nach gründlichem Putz und dem Entfernen einer schwarz-grauen Patina wieder in altem Glanz. Die dekorativen Himmelskörper am Kirchengewölbe brachten Spenden für die Sanierung ein: für 5682 der insgesamt 8758 Glanzlichter seien Paten gefunden worden.

Von 2011 an arbeiteten rund 50 Restauratoren und ebenso viele Handwerker im Inneren der Schlosskirche. An der Kirchenorgel würden die letzten Korrekturen vorgenommen. Das Instrument werde nicht nur an Pfingsten gespielt, erklärt der Pastor.

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