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Kampf um Suhrkamp Verlag geht weiter

Große Autoren wie Bertolt Brecht oder Hermann Hesse fanden im Suhrkamp Verlag ihre geistige Heimat.   FOTO: Alexander Rüsche
Große Autoren wie Bertolt Brecht oder Hermann Hesse fanden im Suhrkamp Verlag ihre geistige Heimat. FOTO: Alexander Rüsche

Ist das die letzte Runde im Kampf um Suhrkamp? Mit dem Antrag auf einen Schutzschirm vor seinen Gläubigern versucht der renommierte Verlag, sich in einer dramatischen Lage eine Atempause zu verschaffen. Eines ist jetzt schon klar: Der Kampf zwischen der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach hat das Unternehmen in die Überschuldung und an den Rand seiner Existenz getrieben. Ob die literarische Heimat von Hermann Hesse, Isabel Allende und Mario Vargas Llosa in dieser Form noch zum Jahresende so existieren wird, ist heute fraglicher denn je.

Der sogenannte Schutzschirmantrag, den Suhrkamp am Montag vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt hat, gibt dem Verlag drei Monate Zeit, sich einen finanziellen Spielraum zu verschaffen. Mit dieser Variante des Insolvenzrechts sollen sich im Prinzip gesunde Firmen unter eigener Regie sanieren. Suhrkamp müsste dafür Unterstützung von Banken und Gläubigern sichern.

Die bittere Fehde zwischen der Familienstiftung um die Witwe von Verlagsgründer Siegfried Unseld, die 61 Prozent hält, und Barlach (39 Prozent) zieht sich seit Jahren hin. Vorläufiger Höhepunkt war eine Entscheidung des Frankfurter Landgerichts vom 20. März. Die Richter hatten angeordnet, dass Suhrkamp an Barlach einen Gewinnanteil in Höhe von 2,2 Millionen Euro ausbezahlt. Doch Suhrkamp kann den Betrag aus eigener Kraft nicht stemmen.

Mit dem nun eröffneten Verfahren liegen alle Streitigkeiten zunächst einmal auf Eis. Barlachs Forderung kreist dennoch wie ein Damoklesschwert über dem Verlagshaus. Der Verlag habe 2010 und 2011 Überschüsse von insgesamt elf Millionen Euro erwirtschaftet, erklärte der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach. Beide Seiten bezichtigen sich gegenseitig, die fast ausweglose Lage herbeigeführt zu haben. Unseld-Berkéwicz habe die Insolvenzsituation selber geschaffen, weil sie auf eine Ausschüttung ihrer Gewinnanteile bestanden habe, sagt Barlach. Er habe dagegen den vorläufigen Verzicht auf seine Forderungen angeboten.

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