
Über mehrere Jahre hinweg hat der brasilianische Regisseur Renato Martins den Alltag der Familie Torres in Kubas Hauptstadt Havanna mit der Kamera begleitet. Seine Dokumentation „A Letter To The Future“ liefert eindrucksvolle Einblicke in ein Leben unter den Vorzeichen einer sozialistischen Revolution, die sich längst überlebt hat.
Es ist eine Legende, dass Menschen in Armut glücklicher leben. Dass sie stärker zusammenrücken, ist wahr. In Kuba herrscht Mangel an allem, auch aufgrund des Wirtschaftsembargos aus den Zeiten des Kalten Krieges, das den internationalen Handel blockiert und wie jedes Embargo die Unschuldigen am stärksten trifft. Niemand muss hungern, für das Lebensnotwendige ist gesorgt. Darüber hinaus gilt es, sich mit Tricks, Kniffen und Tauschgeschäften über Wasser zu halten. Man teilt das Gute und auch das Schlechte.
Ehemalige DDR-Bürger werden besonders gut wissen, wovon die Rede ist. Vier Generationen der Familie Torres kommen zu Wort, von Pipo, Jahrgang 1914, bis zu Diego, geboren 1997. Der Zuschauer hängt an ihren Lippen, wenn diese klugen und charismatischen Menschen Träume und Sorgen mit ihm teilen. Sie erzählen von der Revolution und sie berichten von Kindern, die ihr Glück im Ausland gefunden haben. Sie möchten Baseball-Star werden oder Journalist. Und sie wünschen sich kleine Dinge: eine stabile Strom- und Wasserversorgung oder einmal nach vierzig Jahren ein anderes Brot im Regal. Aber es tut sich nichts. Die Frauen tanzen, die Männer boxen und alle zusammen schauen sich brasilianische Soaps im Fernsehen an. Und das Brot bleibt dasselbe.
Viele historische Aufnahmen machen das gesprochene Wort lebendig, das aktuelle Material wird künstlich mit Patina versehen, weshalb der Film auch optisch wie aus einem Guss wirkt. Es wird nicht kommentiert und es wird nicht gewertet. Familie Torres erzählt ihre Geschichte, humorvoll, leidenschaftlich, nachdenklich, dabei immer emotional berührend. Es gibt Hoffnung für Kuba. Am Heiligabend verkündete Präsident Raúl Castro eine Amnestie, die auch für Inhaftierte gelten soll, die aus Gründen der Staatssicherheit einsaßen. Darüber hinaus sollen die Reisebeschränkungen gelockert werden. Vielleicht sind dies erste Schritte in eine bessere Zukunft für die Torres' und ihre schöne Karibik-Insel. Hoffentlich ändert sich nicht viel mehr, als sie sich gewünscht haben.
Anspruch: 4
Spannung: 3
Action: 1
Humor: 1
Erotik: 0
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