Februar 1, 2012
Drucken 
Kinokritiken

Dame, König, As, Spion

Die traurigen Männer vom Geheimdienst

„Dame, König, As, Spion“ ist in zweierlei Hinsicht ein Film für Ausgeschlafene. Zum einen kann man der komplexen Story unmöglich mehr folgen, wenn man auch nur kurz eingenickt ist oder das stille Örtchen aufgesucht hat. Zum anderen üben die wunderbare, melancholische Optik und die gemächliche Erzählweise eine geradezu hypnotische Wirkung auf den Zuschauer aus.

„Control“ (John Hurt), der Chef des britischen Geheimdienstes MI6, wird gefeuert und mit ihm seine rechte Hand George Smiley (Gary Oldman). Sie sollen die Schuld am gewaltsamen Ableben des Agenten Jim Prideaux (Mark Strong) tragen, der in Budapest in eine Falle geraten war. Wir schreiben das Jahr 1972. Smiley kehrt in ein einsames Privatleben zurück, Control segnet bald darauf das Zeitliche. Doch der erfahrene Agent Smiley erweist sich als unentbehrlich. Ein russischer Maulwurf treibt in den Gefilden des MI6, nunmehr unter Führung des umtriebigen Percy Alleline (Toby Jones), sein Unwesen. Smiley soll auf geheimer Mission den Verräter enttarnen. Control hatte den Braten bereits gerochen, in seinem Nachlass entdeckt Smiley Hinweise auf den möglichen Doppelagenten. Handelt es sich Bill Haydon (Colin Firth), Codename König? Hat sich Roy „Dame“ Bland (Ciarán Hinds) schuldig gemacht oder vielmehr sein Kollege Toby Esterhase (David Dencik), der Bube? Smiley macht sich ans Werk…

Dass sich dieser kluge und stille Film in den Ländern, in denen er bereits gestartet ist, zum Publikumsliebling mauserte, zeigt einmal mehr, dass man den Kinogängern oft viel zu wenig zutraut. Der schwedische Filmemacher Tomas Alfredson hat mit seinem grandiosen Vampir-Drama „So finster die Nacht“ das Ticket fürs internationale Filmgeschäft gelöst, „Dame, König, As, Spion“ ist seine erste Regiearbeit in englischer Sprache. Die Vorlage zum Film lieferte ein vergleichsweise frühes Werk von John Le Carré, der grauen Eminenz des Spionage-Thrillers. Das Ensemble ist namhaft und erlesen, eine absolute Unabdingbarkeit bei so vielen Figuren, über die es die Übersicht zu behalten gilt. Der für einen Oscar als Bester Hauptdarsteller nominierte Gary Oldman, eigentlich der Bösewicht vom Dienst, liefert eine der besten Leistungen seiner Laufbahn ab. Mit der Rolle des George Smiley tritt er in die Fußstapfen von Schauspielern wie James Mason oder Alec Guinness, die Le Carrés Helden bereits meisterhaft verkörperten. Als Charakterstudie par excellence ist „Dame, König, As, Spion“ der absolute Gegenentwurf zu James Bond und als solches ein cineastischer Leckerbissen. Filme wie dieser dürften so ziemlich das einzig Gute sein, was der Kalte Krieg bewirkt hat. 

Anspruch: 4
Spannung: 3
Action: 1
Humor: 0
Erotik: 0



von André Wesche
in Verleih von Studiocanal
Bundesstart: 02.02.2012


Bookmark and Share

Kinoartikelsuche