
Die Botschaft, die andere Filme im Abspann pflichtgemäß abarbeiten, wird diesem Werk vorangestellt: Ähnlichkeiten mit realen Persönlichkeiten und Ereignissen sind natürlich rein zufällig. Schaun' wir mal.
Mike (Jacob Matschenz) ist ein Jugendlicher aus Mecklenburg-Vorpommern mit überschaubarer Perspektive. Eines Tages läuft ihm der Geschäftsmann Böhm (Bernhard Schütz) über den Weg, der Mikes Mutter Elke (Jenny Schily) von früher kennt. Aus Richtung Osten kriecht derweil eine Erdgas-Pipeline nach Meckpomm. Wer die Rohre für den weiteren Ausbau liefern darf, hat den Jackpot geknackt. Es ist Böhms Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sein Kandidat den Zuschlag bei der Ausschreibung erhält. Im Handumdrehen findet sich Mike als Assistent des gewieften Lobbyisten wieder, der ihm rasch auch zum väterlichen Freund wird. Doch woher aber rührt Böhms Interesse? Warum reagiert Mikes Mutter so abweisend? Und welches Geheimnis steckt hinter dem tragischen Tod von Mikes Vater?
Regisseur Marc Bauder, der bisher durch exzellente Dokumentationen auffällig geworden ist, wählt für seinen Film einen klugen Ansatz. Er stellt einen modernen Jugendlichen auf der Suche nach seiner Identität in den Mittelpunkt des Geschehens und wagt aus dessen Distanz einen Blick zurück in die Vergangenheit. Oder profan ausgedrückt: Kids, die sich eigentlich keinen Pfifferling mehr um DDR und Stasi scheren, erhalten durch diese Identifikationsfigur plötzlich Zugang in eine Welt, die nur scheinbar untergegangen ist und noch heute Krimistoff pur liefert. Doch so wichtig die Aufarbeitung dieser Thematik auch ist, ein ähnlich gut recherchierter und wirkungsvoll inszenierter Thriller, der die vielen aktuellen Fragen rund um die Pipeline ins Visier genommen hätte, wäre auch zum richtigen Zeitpunkt gekommen.
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