November 23, 2011
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Kinokritiken

Der Gott des Gemetzels

Wenn die Masken fallen

Der Gott des Gemetzels

Der Gott des Gemetzels

Natürlich wartete der Filmfreund gespannt darauf, was für einen Film Roman Polanski seinem großartigen „Ghostwriter“ folgen lassen würde. „Der Gott des Gemetzels“, die Adaption eines Theaterstücks, ist zwar eine Nummer kleiner angelegt, aber nicht minder spannend.

 

Zwei Jungs aus (vermeintlich?) behüteten Verhältnissen prügeln auf sich ein, bis die Zähne fliegen. Die Eltern der Kampfhähne sehen dringenden Handlungsbedarf. Sie setzen sich in gemütlicher Runde zusammen, um das Geschehen in aller Ruhe auszuwerten. Sie alle sind intelligente Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und die Werte und Moralvorstellungen der zivilisierten Gesellschaft verinnerlicht haben. Man ahnt es bereits: dieses Treffen muss zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Am Anfang geben sich die Schriftstellerin und Aktivistin Penelope Longstreet (Jodie Foster), ihr Mann, der Sanitärwaren-Vertreter Michael (John C. Reilly), die Börsenmaklerin Nancy Cowan (Kate Winslet) und ihr Gatte Alan (Christoph Waltz) noch aufgeschlossen und herzlich. Aber schon bald führt die Diskussion über Gewalt und Schuld in irrationale Gefilde. Das Großhirn wird zunehmend abgeschaltet und der Hirnstamm übernimmt. Die Masken der kultivierten Bürger fallen und geben den Blick auf die Triebe und Impulse frei, die uns Menschen seit Urzeiten leiten.  

Yasmina Reza hat ihr überaus erfolgreiches Theaterstück gemeinsam mit Roman Polanski zu einem kongenialen Drehbuch verarbeitet. Der Filmemacher verzichtet auf Mätzchen und Effekte jedweder Art, er setzt in diesem Kammerspiel voll und ganz auf die Kunst seiner handverlesenen Darsteller. Der Film selbst ist für Oscar-Ehren wahrscheinlich nicht Ereignis genug, aber würde auch ein Ensemble gekürt werden, es führte kein Weg an diesem vorbei. Die Begegnung der Eltern erfolgt in Echtzeit, keine Nuance und kein Wort bleiben dem Zuschauer verborgen. Immer wieder wird man sich selbst oder nur allzu gut Bekannte in den Figuren wiederentdecken. Dabei ist „Der Gott des Gemetzels“ alles andere als verkopftes Kino für ein intellektuelles Publikum. Das Team Reza / Polanski bedient sich konsequent satirischer Mittel. Will sagen: wenn die beiden uns den Spiegel vorhalten, gibt es auch eine ganze Menge zum Schmunzeln.



von Robert Lucas
in Verleih von Constantin Film
Bundesstart: 24.11.2011


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