
Am 07. März wird Schauspieler James Franco mit einem Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ geehrt. Am selben Tag startet auch der neue Film des 34-jährigen in den Kinos. In „Die fantastische Welt von Oz“ spielt Franco die Hauptrolle des schlitzohrigen Zauberers. Wir sprachen mit dem Star aus Filmen wie „Spider-Man“, „Milk“ und „127 Hours“ über die Magie von Oz, imaginäre Filmpartner und seine Arbeit als Dozent und Independent-Regisseur.
Mr. Franco, wie unterscheidet sich der neue Film von der bekannten Geschichte „Der Zauberer von Oz“?
Dieser Film erzählt gewissermaßen die Vorgeschichte, auch wenn er nicht wirklich viel mit dem Klassiker aus 1939 zu tun hat. Damals lernte man den Zauberer als älteren Mann kennen. Hinter seinem Vorhang schuf er Illusionen, um den Bewohnern von Oz zu suggerieren, dass er ein echter Zauberer sei. Unsere Geschichte erzählt, wie dieser Kerl als junger Mann in die Welt von Oz kam und warum die Menschen an ihn geglaubt haben, obwohl er nicht über Zauberkräfte verfügte. In mancher Beziehung ähneln seine Abenteuer denen, die Dorothy auf ihrer Reise sammelt: ein normaler Mensch wird in eine fantastische Welt entführt und muss sich dort irgendwie zurechtfinden. Meine Figur ist aber sehr viel mehr ein Antiheld als Dorothy. Er ist kein Unschuldslamm, dafür ist er sehr egozentrisch. Er hat etwas Katzenhaftes und macht sich auf seinem Weg durch Oz unheimlich wichtig.
Hat Sie gerade die Rolle des Antihelden gereizt?
Genau. Das und die Tatsache, dass Sam Raimi Regie geführt hat („Spider-Man“). Außerdem war ich schon als Kind ein großer Fan der Bücher. Von allen fantastischen Welten ist Oz das wohl kindlichste, unschuldigste Land. Mittelerde ist da zum Beispiel ganz anders. Den Zauberer als Antihelden zu zeichnen, war für mich der Schlüssel. Wenn die Zentralfigur einfach nur ein seriöser Bilderbuch-Held gewesen wäre, hätte sich nur ein sehr junges Publikum für den Film interessiert. Aber weil dieser komödiantische Charakter im Mittelpunkt steht, halb Clark Gable und halb Charlie Chaplin, funktioniert die Geschichte für Jung und Alt.
Mussten Sie sich für diese Rolle sehr verbiegen?
Das kann man so nicht sagen. Mich haben verschiedene Facetten des Zauberers angesprochen. Er ist ein Entertainer, er nutzt Illusionen, um sein Publikum zu unterhalten. Genau das tue ich auch. Als Schauspieler schlüpfe ich in eine Rolle und bediene mich verschiedener Illusionen, um das Publikum zu bespaßen. Insofern war gleich eine gemeinsame Basis vorhanden. Der Zauberer ist allerdings in armen Verhältnissen aufgewachsen. Diese Vorgeschichte möchte er gern hinter sich lassen. Er ist sehr materialistisch eingestellt und misst seinen Erfolg an materiellen Werten. Für mich selbst war das nie ein Antrieb.
Was macht den „Zauberer von Oz“ zu einer der populärsten Geschichten überhaupt?
Ich glaube, dass Oz zu einem Paralleluniversum unserer eigenen Welt geworden ist. Märchen, Fantasy und Science Fiction nutzen fantastische Schauplätze, um sich mit menschlichen Problemen auseinanderzusetzen und unser Leben im Hier und Heute zu reflektieren. Die „Oz“-Bücher funktionieren immer dann am besten, wenn sich jemand aus unserer Welt in diese fantastische Welt verirrt. Dieser Charakter ist in Oz dazu gezwungen, sich den Problemen zu stellen, die er aus unserer Welt mitgebracht hat. Lyman Frank Baum wollte keine weiteren Oz-Bücher schreiben, aber weil das erste so ein großer Erfolg gewesen ist, war er gewissermaßen dazu gezwungen. So ähnlich wie George Lucas („Star Wars“). Im zweiten Buch kam Dorothy nicht vor und jeder hat sich darüber beschwert. Also brachte er sie zurück.
Offensichtlich wurde die Welt von Oz um Sie herum im Computer erschaffen. Ist die Arbeit mit imaginären Partnern schwierig?
Es war kompliziert. Es ist nicht so, dass ich mich auf eine leere Bühne begebe und einfach ohne Partner drauflos spiele. Schauspieler haben diese Fantasiefiguren wirklich gespielt. Zach Braff („Scrubs“) spielte den Affen Finley, Joey King war die Porzellan-Puppe. Ich hatte die meisten Szenen mit diesen beiden Charakteren zu bestreiten. Jede Szene wurde mehrfach wiederholt. Im ersten Durchlauf haben sie mitgespielt. Ich konnte Zach und Joey in die Augen sehen. Dann wurde die Szene noch einmal mit Puppen gedreht, um eine Referenz für die Animatoren zu schaffen. Ein großartiger Puppenspieler hauchte der Porzellan-Puppe Leben ein und ich hatte einen Knopf im Ohr, durch den ich die Stimme der Schauspielerin hören konnte. So konnte ich selbst den richtigen Ton finden. Erst als diese Aufnahmen in trockenen Tüchern waren, haben wir die Szenen wirklich nur mit mir allein gedreht. Ich hatte schon Erfahrungen auf diesem Gebiet, ganz ähnlich haben wir es bei „Planet der Affen“ gemacht. Damals spielte Andy Serkis (Gollum aus „Herr der Ringe“) den Affen. Er ist der Beste auf diesem Gebiet.
Macht diese Arbeit noch Spaß?
Natürlich ziehe ich es vor, mit einem Gegenspieler auf Fleisch und Blut zu drehen. Das führt automatisch zu einem nuancenreicheren Spiel. Ich verstehe aber auch, dass es bestimmte Notwendigkeiten gibt, wenn wir diese fantastische Welt mit all ihren Kreaturen erschaffen wollen. Das gehört einfach dazu.
Sie sind als Schauspieler erfolgreich, aber auch als Maler und Regisseur von Independent-Filmen. Wie passt das alles zusammen?
Es sind verschiedene Ausdruckmöglichkeiten verschiedener Medien. Ich bin sehr stolz darauf, Teil von „Oz“ zu sein. Eine Welt wie diese kann man nur erschaffen, wenn man viel Geld in die Hand nimmt. Anders geht es nicht. Auch Independent-Filme haben einzigartige Möglichkeiten. Sie können sich mit avantgardistischen oder riskanten Themen auseinandersetzen. Wenn mir der Sinn danach steht, mache ich einen Independent-Film. Er kann gerade düsteren Themen wesentlich besser gerecht werden.
Sie unterrichten auch Filmstudenten an der Universität?
Ja. Ich habe viele Schulen besucht und mich in einem akademischen Umfeld immer sehr wohl gefühlt. Irgendwann hatte ich dann genug Schulen besucht. Ich wollte dieses Milieu aber nicht abhaken. Der einzige Weg, zurückzukehren, war zu lehren. Ich mag es auch, dass ich den Fokus ein Stück weit von mir selbst nehmen kann. Ich kann anderen Leuten Hilfestellung bei ihren Projekten leisten und ihnen die Möglichkeiten geben, die man mir auch eingeräumt hat. All das ist eine große Befriedigung für mich.
Wann erleben Sie in Ihrem beruflichen Leben Momente des Glücks?
Ich bin sehr zufrieden. Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, sehe ich eine ganze Reihe von Projekten und Performances, auf die ich sehr stolz bin. Das war nicht immer so. Heute kann ich das sagen. Vieles von dem, was ich heute erlebe, empfinde ich als eine Art Bonus. Auch aus diesem Grund möchte ich lehren. Ich möchte etwas von der Liebe und der Unterstützung zurückgeben. Am meisten liebe ich das Regieführen. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um das Endprodukt. Ich bin dann mit Leuten zusammen, die ich mag und mit denen ich gern arbeite. Ich bin das Zentrum all der kreativen Zusammenarbeit, die an einem Filmset stattfindet. Das ist ein wirklich toller Platz.
Gespräch: André Wesche
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