
Heutzutage und hierzulande erscheinen die Filme des 69-jährigen oft nur auf DVD, während man sie rund um den Globus im Kino feiert, etwa das großartige Kriegs- und Überlebensdrama "Rescue Dawn" mit Christian Bale aus 2006. Herzog lässt sich nicht entmutigen und ist fleißiger denn je, wobei er sich heute verstärkt seiner dokumentarischen Arbeit widmet. Im aktuellen Fall entführt der Regisseur seine Zuschauer nach Frankreich, in die Höhle von Chauvet, wo man 1994 auf die ältesten Zeugnisse menschlichen Kunstschaffens traf.
Natürlich spricht Werner Herzog den Kommentar zu seinem Film selbst. Seine angenehme Stimme mit dem unverwechselbaren Akzent erklärt die Sensation. Als sei das idyllische Flusstal der Ardèche nicht schon gesegnet genug, versiegelte hier vor 20.000 Jahren eine Fels-Lawine eine Höhle, in der frühzeitliche Künstler über tausende von Jahren hinweg eine faszinierende Galerie geschaffen haben. Selbst die populäre Höhle von Lascaux sieht gegen diese mitunter 32.000 Jahre alten Zeitzeugen ganz schön jung aus. Darüber hinaus haben Mensch und Tier – vor allem mächtige Höhlenbären – Knochen und Spuren hinterlassen.
Herzog wäre nicht Herzog, würde er sich bei seiner Doku auf die Darstellung des Status Quo beschränken. Wie immer lässt der Filmemacher den Zuschauer an seiner Gedankenwelt teilhaben. Dabei entfalten Bilder, Musik und Kommentar eine gleichsam meditative Wirkung, die durch das 3D-Format noch verstärkt wird. Wissenschaftspuristen werden mit den Bezügen zur Deutschen Romantik und dem Epilog des Filmes vielleicht nicht viel anfangen können. Wer "Die Höhle der vergessenen Träume" hingegen aufsucht, um seine Seele zu bereichern, wird am Ende vom Saal-Licht schnöde aus einer faszinierenden Welt gerissen.
Anspruch: 5
Spannung: 3
Action: 1
Humor: 0
Erotik: 0
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