Januar 26, 2012
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Kinokritiken

Drive

Immer tiefer in den Sumpf

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Dass es Regisseur Nicolas Winding Refn gern deftig mag, stellte er bereits in seinem Historien-Schinken „Walhalla Rising“ unter Beweis. Wenn das exzellente Action-Drama „Drive“ seine ganze Wucht zu entfalten beginnt, schreckt der Zuschauer ob der unerwarteten Gewalt zusammen. Darf man so etwas zeigen? Die Antwort lautet „Ja“.

Vielleicht muss er sein mieses Gehalt von der Werkstatt und den gelegentlichen Jobs als Stuntman aufbessern. Womöglich reizt ihn auch einfach nur der Nervenkitzel. Wahrscheinlich hat es viele Gründe, die den Fahrer ohne Namen (Ryan Gosling) dazu bewegen, des Nachts auch illegale Jobs zu übernehmen. Er ist ein absoluter Profi. Wer seine Dienste als Fluchtfahrer in Anspruch nimmt, muss ein komplexes Regelwerk einhalten. Und im Notfall ist dem Fahrer sein eigenes Hemd immer am nächsten.

Gefühllos ist der junge Mann indes nicht. Als er die süße Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn kennenlernt, beginnt er sich erfolgreich zu engagieren. Werkstattbesitzer Shannon (Bryan Cranston) schmiedet indes ganz eigene Pläne mit seinem besten Pferd im Stall. Der Fahrer soll für ihn Stockcar-Rennen gewinnen und Millionen verdienen. Für die Aufrüstung eines Wagens benötigt Shannon allerdings eine gehörige Finanzspritze. Er borgt sich das Geld bei den falschen Typen. Auch der Fahrer wird noch tiefer in den kriminellen Sumpf hineingezogen, als Irenes Mann unvermittelt aus dem Gefängnis entlassen wird. Am Ende geht es für alle Beteiligten um das nackte Überleben.

Bereits Hitchcock wehrte sich dagegen, dass Morde im Film meist schnell und sauber, geradezu ästhetisch vonstattengehen. „Drive“ zeigt die Herbeiführung menschlichen Ablebens in seiner ganzen Brutalität. Für manchen Zuschauer mag das etwas zu viel des Schlechten sein. Gewaltverherrlichend ist das nie, sondern angemessen abstoßend: Wer sich mit den falschen Leuten einlässt, muss einen hohen Preis dafür bezahlen. Ryan Goslings Fahrt durch die Hölle in einem spannenden, atmosphärisch dichten und emotional berührenden menschlichen Alptraum ist das erste Kinohighlight des neuen Jahres.

Anspruch: 2
Spannung: 4
Action: 4
Humor: 0
Erotik: 0



von André Wesche
in Verleih von Universum
Bundesstart: 26.01.2012


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