
Roland Emmerich ist nicht die einzige Regie-Ikone, die in dieser Woche ganz neue Wege beschreitet. Obwohl er es selbst kategorisch bestreitet, widmete sich auch David Cronenberg („A History Of Violence“) einem eher ungewöhnlichen Projekt. Erstmals bringt der Kanadier Persönlichkeiten des wahren Lebens auf die große Leinwand. Keine Geringeren als Sigmund Freud und C.G. Jung finden in einer jungen Patientin den Katalysator für ihr Schaffen.
Sie schreit, sie strampelt, sie lacht hysterisch. Als Sabina Spielrein (Keira Knightley) in die Psychiatrische Klinik von Zürich eingewiesen wird, scheint sie ein hoffnungsloser Fall zu sein. Eine Herausforderung für Oberarzt C.G. Jung (Michael Fassbender), der an der jungen und in klaren Momenten attraktiven Patientin die neuesten Methoden der Psychoanalyse testen will. Tatsächlich versteckt sich hinter dieser gepeinigten Seele, die sich in den Sitzungen grauenhaft quält, eine ausnehmend kluge Frau mit vielen Talenten. Jung sucht und findet den Kontakt zu Sigmund Freud (Viggo Mortensen), der ihm Freund und Mentor wird. Dann lässt sich der verheiratete Jung auf eine Affäre mit seiner Patientin ein. Es ist ein Tabubruch mit weitreichenden Folgen…
Da hätte man aber deutlich mehr erwartet. Für einen Ausnahme-Filmemacher wie David Cronenberg, dem für gewöhnlich kein Eisen zu heiß ist und der seinem Publikum zuletzt Perlen wie „Eastern Promisses – Tödliche Versprechen“ bescherte, kommt „Eine dunkle Begierde“ erstaunlich blass und zahnlos daher. Der Film beschränkt sich im Wesentlichen auf Dialogszenen, die freilich brillant gespielt und routiniert in Szene gesetzt sind. Eine individuelle Handschrift des Filmemachers ist indes nicht zu erkennen. Sogar die als provokant angepriesenen Sex-Sequenzen erweisen sich in der Realität als denkbar zurückhaltend und züchtig. Chamäleon Michael Fassbender („300“) steht im Mittelpunkt der Geschichte und meistert den Ausflug ins frühe 20. Jahrhundert souverän. Dass Keira Knightley im historischen Kostüm eine sehr gute Figur macht, ist keine Offenbarung mehr. In den Szenen, in denen sie selbst therapiert wird, wäre weniger allerdings deutlich mehr gewesen. Viggo Mortensen schließlich ruht in sich selbst und schaut nur neidisch drein, wenn Jungs finanzielle Überlegenheit zur Sprache kommt. Deutsche Stars wie André Hennicke oder Anna Thalbach huschen auch gelegentlich durchs Bild, erfüllen aber nur eine Alibi-Funktion. Eine interessante Geschichtsstunde, in der sich leider nie das gewisse Kribbeln einstellen will.
Anspruch: 4
Spannung: 2
Action: 1
Humor: 1
Erotik: 2
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