Die Serienhauptrolle der modebewussten Kolumnistin Carrie Bradshaw in „Sex and the City“ macht Sarah Jessica Parker zum Superstar und zur Stilikone. Die Tochter eines Schriftstellers und einer Lehrerin steht allerdings schon von Kindesbeinen an vor der Kamera, in Filmen wie „Footloose“ (1984), „Tödliche Nähe“ oder „Ed Wood“ hinterließ sie bleibende Eindrücke. Nun ist Parker in der Bestsellerverfilmung „Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum“ zu erleben. Die 46-jährige spielt eine Managerin, die in ihrem Bemühen, Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bekommen, schweren Prüfungen unterzogen wird. Wir trafen uns mit einer sympathisch-bodenständigen Sarah Jessica Parker zum Gespräch.
Mrs. Parker, hatten Sie jemals Läuse, so wie Ihre Filmfigur?
Nein. Um die Zeit herum, zu der wir die angesprochene Szene drehten, bekam mein Sohn eine Email von seiner Schule. In seiner Gruppe wurden Läuse entdeckt. Das kommt in den besten Schulen vor. Aber sie haben es nicht über unsere Türschwelle geschafft, zumindest diesmal. Darüber bin ich sehr froh.
Viele Frauen lieben den Roman „Working Mum“, weil sie sich darin wiedererkennen. Welche Eindrücke hinterließ die Lektüre bei Ihnen?
Das Buch liefert ein sehr akkurates Porträt der modernen Elternschaft im Allgemeinen und der Mutterschaft im Besonderen. Es reflektiert eine nicht ungewöhnliche Familie unserer Tage, wobei es völlig egal ist, ob sie sich aus Mann und Frau oder zwei Müttern oder zwei Vätern zusammensetzt. Die Komplexität der Elternschaft im aktuellen ökonomischen Klima und in dieser speziellen Generation wird sehr geistreich geschildert.
Wie handhaben Sie selbst Ihr Leben als berufstätige Mutter?
Als ich das Drehbuch las, erinnerte mich die Figur der Kate an viele Frauen, die ich kenne. Frauen, die in ihrem Alltag weit weniger Unterstützung finden, als ich sie genieße. Sie haben nie die Möglichkeit, sich so unbeschwert in die Arbeit zu stürzen, wie ich es tun kann. Wenn man einen Film dreht, wird für die Kinder bestens gesorgt. Viele Menschen arbeiten jeden Tag hart, ein ganzes Leben lang. Dabei verpassen sie wichtige Meilensteine in der Entwicklung ihrer Kinder. Meine kleinen Sorgen sind nicht mit denen zu vergleichen, die die allermeisten Menschen auf dem Globus teilen.
Wie reagiert Ihr Sohn, wenn Sie zu Dreharbeiten reisen müssen?
Ich bin dann vielleicht mal für neun Wochen unterwegs, aber das ist nichts im Vergleich zu den Eltern seiner Klassenkameraden, die tagtäglich von 8 bis 17 Uhr zur Arbeit gehen. Wir alle haben in dieser Zeit unter der Trennung zu leiden, aber es ist ein absolut überschaubarer Zeitraum. Vielleicht bin mal drei Monate lang eingespannt, aber dann bin ich wieder von April bis September zuhause. Mein Sohn ist fast neun und wir können diese Dinge schon sehr ernsthaft diskutieren.
Sind Sie zuhause die Mutter, die jeden Tag am Herd steht?
Ja. Wir kochen jeden Abend. Wir gehen nicht sehr oft aus. Zwei Zweijährige im Restaurant, das wäre den anderen Gästen gegenüber nicht fair.
Waren Sie schon immer ein Familienmensch?
Ich bin eines von acht Kindern, ich war immer von einer großen Familie umgeben. Mein Singleleben war nicht sehr schillernd. Ich wollte immer eine Familie gründen. Ich weiß nicht, ob das mit meiner Herkunft zusammenhängt, aber ich brauche diese Geräuschkulisse, die eine Gruppe von Menschen verursacht.
Banker haben in der letzten Zeit viel an Sympathie eingebüßt. Glauben Sie, dass der Film dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte?
Nein. Kate arbeitet nicht in der Führungsebene, sie ist eher im Mittelfeld angesiedelt. Sie muss wirklich hart arbeiten, um ihre Rechnungen bezahlen zu können. Wahrscheinlich stottert sie noch einen Studienkredit ab. Kate arbeitet in diesem Beruf, weil sie sich schon immer sehr für diesen Aufgabenbereich interessiert hat. Sie kassiert nicht groß ab und sie will kein Leben im Luxus führen. Kate ist der Hauptverdiener in der Familie, weil die Karriere ihres Mannes nicht ganz so erfolgreich läuft wie gewünscht. Ich glaube, viele Männer und Frauen können sich mit Kate identifizieren.
Fühlen Sie sich im Komödienfach besonders wohl?
Ich versuche, das Beste aus den Angeboten herauszupicken, die man mit unterbreitet. Man hofft, kluge Entscheidungen zu treffen und mit interessanten und begabten Menschen zu arbeiten.
Sie sind auch als Produzentin sehr erfolgreich. Sehen Sie sich in der Zukunft häufiger hinter der Kamera?
Ich liebe die Schauspielerei, ich stehe schon seit dreißig Jahren vor der Kamera. Ich liebe diese Arbeit über alles und sie fordert mich nach wie vor heraus. Aber auch das Produzieren hat seine faszinierenden Seiten. Man führt viele Gespräche mit kreativen Menschen, wenn man ein Drehbuch entwickelt. Ich habe Autoren immer gemocht, mein Vater war auch einer. Solange es mir möglich ist, beiden Beschäftigungen nachzugehen, muss ich keine Entscheidung treffen.
Wie war das Wiedersehen mit Pierce Brosnan, mit dem Sie bereits in „Mars Attacks!“ zusammengearbeitet haben?
Es war sehr schön, auch wenn wir nicht viele gemeinsame Szenen hatten. Pierce hat einen der berühmtesten Leinwandcharaktere aller Zeiten verkörpert und wurde so zu einer Art Mythos. Als wir uns zum ersten Mal wiedertrafen, habe ich das auf ihn projiziert. Aber das hat sich rasch gegeben. Er ist überraschend zartfühlend, er bringt eine sympathische Verletzlichkeit in seine Rolle ein. Das hebt ihn angenehm von den Archetypen des Berufsstandes ab. Pierce hat mich wirklich ununterbrochen zum Lachen gebracht. Ich wollte immer neue Geschichten aus seinem Leben hören. Er stammt aus Irland und blickt auf eine sehr interessante Vergangenheit zurück. Es ist wohl keine Überraschung, dass er ein großartiger Geschichtenerzähler ist. Es ist schön, Pierce um sich zu haben. Dasselbe gilt übrigens auch für Greg (Kinnear, den Filmehemann). Die Filmfamilie war auch hinter den Kulissen intakt.