November 23, 2011
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Film/Kino von André Wesche

Interview: Mein Leben hat sich völlig verändert

Ein Gespräch mit Hauptdarsteller Robert Pattinson

Neubrandenburg (nk)  

In „Harry Potter und der Feuerkelch“ (2005) spielte Robert Pattinson noch eine Nebenrolle. Drei Jahre später avancierte der Brite als schöner Vampir Edward Cullen in der Verfilmung von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga zum Idol zahlloser Fans. Zuletzt sah man den 25-jährigen im Zirkusdrama „Wasser für die Elefanten“ an der Seite von Reese Witherspoon und Christoph Waltz. Am Freitagabend herrschte nun wieder Ausnahmezustand am Potsdamer Platz. Der erste Teil des in zwei Filme aufgeteilten Twilight-Finales „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“ feierte Premiere. Wir trafen Robert Pattinson am Rande der lautstarken Veranstaltung.           

Mr. Pattinson, beide Teile von „Breaking Dawn“ sind mittlerweile abgedreht. Wie haben Sie ihren letzten Arbeitstag erlebt?

Es gab gewissermaßen zwei letzte Tage. An einem davon war ein Großteil der Besetzung versammelt. Wir hatten gerade zwei Wochen Nachtdreh hinter uns gebracht und alle waren völlig erschöpft. Es war das Gegenteil eines Höhepunktes. Kristen und ich haben später noch eine Szene in der Karibik gedreht, am Strand und im Meer. Es war die einfachste Sache der Welt. Dieses eine Mal wenigstens war es warm beim Dreh, das war eine sehr nette Erfahrung. Und ich war noch nie zuvor in der Karibik.

Verspürten Sie eine gewisse Erleichterung, als es vorbei war?

Ja, vor allem, weil die Dreharbeiten diesmal so lange gedauert hatten. Einen Film zu machen, ist härter als man denkt. Allein das Makeup nahm täglich zwei Stunden in Anspruch. Draußen herrschte stets Kälte. Und aus irgendeinem Grund haben sich meine Augen niemals an die Kontaktlinsen gewöhnt. Solche Dinge versetzen dich automatisch in eine schlechte Stimmung. Die Drehtage waren lang, 15 oder 16 Stunden, sechs Tage die Woche. Ein normaler Dreh von drei Monaten ist nicht einfach, acht Monate am Stück zu arbeiten hat jeden Einzelnen völlig ausgelaugt. Was das Ende der Serie anbetrifft, so habe ich nach wie vor das Gefühl, mich noch mitten in der „Twilight“-Welt aufzuhalten. Auch wenn ich inzwischen andere Filme mache, bin ich nach wie vor damit beschäftigt, die Werbetrommel für die beiden letzten Teile zu rühren. Und natürlich spricht man mich permanent auf „Twilight“ an. Ich vermute mal, das wird auch noch eine ganze Weile der Fall sein.

Welche Dinge aus dieser Welt werden Ihnen bleiben?

Mein Leben hat sich völlig verändert. Ich habe auch in „Harry Potter“ mitgespielt, aber damals hat mich niemand auf der Straße erkannt und mich „Cedric“ gerufen. Nichts hat sich dadurch geändert. „Twilight“ hat in meinem Alltag eine Veränderung seismischen Ausmaßes bewirkt. Diese Filme definieren mein bisheriges Berufsleben.

Was finden Ihrer Meinung nach soviele Mädchen so anziehend an Edward?

Die Bücher sind aus Bellas Perspektive geschrieben. Viele der Leser teilen ihre Sichtweise. Und Bella ist nun mal obsessiv in Edward verliebt. Ein jeder projiziert auf Edward, was immer er in ihm sehen möchte. Er selbst nimmt eine eher passive Rolle ein und alles, was ihn interessiert, ist Bella. Edward tut alles dafür, dass es ihr gut geht.

Hatten Sie mit ihren zahlreichen Fans auch seltsame Erlebnisse?

Vielleicht, was das Ausmaß des Ganzen angeht. Vor zwei Jahren waren wir in München, um die Fragen der Fans zu beantworten. In der Olympiahalle hatten sich 15.000 Menschen versammelt. Wir kamen aus dem Dunkel und die Leute begannen zu schreien. Wir waren doch keine Band, die ein Konzert gibt, wir standen einfach nur da. Das war eine wirklich seltsame Erfahrung.

Welche Gefühle hegen Sie für diese Fans?

Da ist sehr viel Dankbarkeit. Aber jedes menschliche Wesen wird sich fragen, was plötzlich los ist, wenn man einen Raum betritt und die Leute zu schreien beginnen. Am Anfang hat mich das überwältigt, aber mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen.

Waren Sie jemals selbst ein Fan?

Nicht mit einer vergleichbaren Hingabe. Ich habe einige Musiker verehrt, von denen ich mir alles zulegte, dessen ich habhaft werden konnte. Van Morrison zählt zu ihnen und auch Jimi Hendrix. Ich habe unzählige Bootleg-Alben, völlig verzerrte Live-Mitschnitte, auf denen man kaum etwas hört.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die lang erwarteten Sexszenen zu drehen?

All die Millionen Leser haben sich ein eigenes Bild davon geschaffen, wie diese Szenen aussehen könnten, in dieser Beziehung empfindet man es schon als Druck. Ansonsten war es recht leicht. Bill (Condon, der Regisseur) sorgt für eine sehr angenehme Atmosphäre am Set. Und der Druck lastete mehr auf ihm als auf irgendeinem anderen. Natürlich musste es uns gelingen, eine intensive Emotionalität einzufangen, zumal sie ja beide jungfräulich sind. Zahlreichen Menschen bedeutet das sehr viel. Dieser Tatsache muss man sich bewusst ein und ihr Rechnung tragen.

Ein zentrales Thema der „Twilight“-Filme ist es, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Welche persönliche Einstellung haben Sie dazu?

Das hängt doch ganz davon ab, wie man erzogen wurde. Niemand sollte Dinge tun, die er hinterher bedauern könnte. Aber in einer Sache, die so sehr mit Emotionen aufgeladen ist, muss jeder seine ganz persönliche Entscheidung treffen.

Teilen Sie einen besonders schwierigen und einen sehr glücklichen Moment der Dreharbeiten mit uns?

Die Geburtsszene war sehr schwierig zu drehen, die Sex-Szene war vielleicht noch härter. Im Amerika kann man sehr viel Gewalt im Film zeigen, ohne dass es jemand hinterfragen würde. Wenn es um Sex geht, spielen plötzlich alle verrückt. Und niemand will es riskieren, dass ein Film die angepeilte Jugendfreigabe nicht erhält. Das hat die Sache sehr verkompliziert. Die letzte Szene war ein glücklicher Moment, der Sonnenaufgang in der Karibik war einfach wunderschön.

Welche Aufgabe ist die schwierigste, wenn man einen Vampir darstellt?

Man muss die ganz normalen menschlichen Aktivitäten abschalten. Vampire schlafen nicht, sie setzen sich nicht hin. Vampire haben keine Bedürfnisse, das Verlangen ist ihr Antrieb. Eine solche Rolle hat nicht viel Menschliches. Es stehen nicht viele Nuancen zur Verfügung, das macht es kompliziert.

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