Januar 18, 2012
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Kinokritiken

Intruders - Ein Gespräch mit Schauspieler Daniel Brühl

Ich war ein kleiner Schisser

Daniel Brühl

Schauspieler Daniel Brühl in "Intruders".

Daniel Brühl, der Sohn eines deutschen Regisseurs und einer spanischen Lehrerin, zählt nach Auftritten in Filmen wie „Good Bye, Lenin!“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ zu den beliebtesten deutschen Kinostars. Der 33-jährige mischt aber längst auch auf internationaler Ebene mit („Inglourious Basterds“, „Das Bourne-Ultimatum“). Eben wurde Brühl als Hauptdarsteller des Dramas „Eva“ für den spanischen Filmpreis Goya nominiert, auf Augenhöhe mit den Superstars Antonio Banderas, Luis Tosar und José Coronado. Wir sprachen mit Daniel Brühl über seine Rolle im Horrorfilm „Intruders“, über Kindheitsängste, Hypochondrie und die Vorbereitungen auf seine Niki-Lauda-Rolle in der Hollywood-Großproduktion „Rush“.

Herr Brühl, wie haben Sie sich im Gewand des Priesters gefühlt?

Ein Priester ist eine der Rollen, die man mal gespielt haben muss. Außerdem mag ich die ganze Welt des Horrorfilms, selbst hatte ich aber noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt. „Intruders“ ist ein schöner Einstieg. Der Beruf des Schauspielers ist auch deshalb interessant, weil man mit Menschen zusammenkommt, die man sonst nicht treffen würde. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um in einem Vorort von Madrid Jesuiten zu treffen und ihnen alle möglichen Fragen zu stellen, zum Beispiel über das Zölibat. Viele meiner Verurteile musste ich revidieren. Ich fand sie viel lockerer und lustiger, als ich angenommen hatte. Wir haben über Fußball und über Kino gesprochen und sie kannten sich gut aus. Sie tun viel Gutes. Sie leben mitten in einem Junkie-Vorort, der Taxifahrer wollte mich fast nicht hinfahren.

Haben Sie einen Bezug zur Religion?

Ich wurde katholisch getauft, aber die Kommunion habe ich schon nicht mehr gemacht. Ich fand es irgendwie doof, für den Kommunionsunterricht immer so früh aufstehen zu müssen. Ich selbst bin nicht religiös, aber ich respektiere religiöse Menschen sehr. Und die Geschichte der katholischen Kirche und ihre Außenwirkung gerade im Film finde ich faszinierend.

Wie sahen Ihre eigenen Kindheitsängste aus?

Das Thema der Kindheitsängste, die ein Leben lang nie weggehen, hat mich an diesem Film besonders interessiert. Manche Sachen fressen sich im Kopf fest und überraschen dich noch mit Anfang dreißig. Ich habe meine Ferien immer im Landhaus meiner Eltern verbracht, das sich lustiger Weise in einem Vampir-Dorf befindet. Es heißt Prat Dip, was so viel bedeutet wie „Wiese des blutrünstigen Schakals“. Das Wappen ist ein dreibeiniger Köter. Es gibt sogar einen ins Deutsche übersetzten Roman, „Der Nachtkauz“ von John Perucco, der in diesem kleinen Nest spielt. Ich bin mit den Gruselgeschichten aufgewachsen, die uns die Dorfältesten erzählt haben. Und wir haben immer Mutproben gemacht, sind nachts auf den Friedhof oder auf die Burg gegangen. In dem Haus habe ich auch zum ersten Mal und ganz allein „Der Exorzist“ geguckt - ich habe geheult und geschrien! Heute, mit über dreißig, passiert es mir immer noch, dass ich Schiss kriege, wenn ich in dem Haus bin und irgendwelche Geräusche höre. Ich muss auch nicht unbedingt in den Keller gehen – für jemanden in meinem Alter ist das mehr als albern.

Würden Sie eigenen Kindern Gruselgeschichten vorlesen?

Man muss wissen, wie man das dosiert. Ich habe als Kind Gruselgeschichten geliebt. Und auch Grimms Märchen sind mitunter wahnsinnig gruslig. Ich war ein kleiner Schisser, aber ich habe dieses Kribbeln geliebt. Das Gefühl des sich Gruselns hat ja auch etwas Belebendes. Deshalb würde ich meinen Kindern gern gruslige Geschichten erzählen, auch über das Dorf. Und ich fände es cool, wenn sie sich dann auch solchen Mutproben stellen, das gehört irgendwie dazu. Aber natürlich darf das nicht dazu führen, dass ein Kind von Angst zerfressen wird.     

Gab es einen bestimmten, wiederkehrenden Alptraum?

Nein, ganz schreckliche Alpträume, die mich verfolgt hätten, gab es eigentlich nicht. Ich war schon immer ein Hypochonder, auch als Kind. Das hat meine Eltern bestimmt ziemlich genervt. Sie mussten mich natürlich ernstnehmen, aber hinter meinem Rücken wurde bestimmt auch gelacht. Wenn ich heute irgendetwas über Krankheiten im Internet lese, habe ich sie gleich. Besonders schlimm war es mit EHEC. Da haben mich meine ganzen Freunde auch noch wegen der spanischen Gurken angemacht. Und ich war sehr froh, dass die Gurken am Ende nicht Schuld waren. Ich war wochenlang völlig panisch, ich habe um jeden Gemüseladen einen großen Bogen gemacht.

Haben Sie „Intruders“-Hauptdarsteller Clive Owen persönlich kennengelernt?

Nicht während der Dreharbeiten, aber beim Filmfestival in San Sebastian. Oft hat man bestimmte Erwartungen an einen Schauspieler, den man als Zuschauer mag. Wenn man ihn dann persönlich kennenlernt, ist man häufig enttäuscht. Wenn jemand genau so ist, wie man ihn sich vorgestellt hat, ist das etwas sehr Schönes. Clive ist ein erdiger, normal gebliebener, lustiger Brite. Wir haben zusammen Bier getrunken und über Fußball gesprochen, über den FC Barcelona und Liverpool. Wir wollen uns gegenseitig ins Stadion einladen.

Demnächst werden Sie in der Hollywood-Produktion „Rush“ als Niki Lauda vor der Kamera stehen. Wann beginnen die Dreharbeiten?

Es geht Ende Februar los. Ich habe mir einen Formel 3-Kurs gegeben, da gibt es auch Ängste, die man erst einmal überwinden muss. In einem Monocock über die Rennstrecke zu rasen ist schon etwas anderes, als auf der Autobahn zu fahren. Und die Formel 3 ist dann noch mal Lichtjahre von dem entfernt, was die Jungs bei der Formel 1 machen. Ich war zur Vorbereitung mit Niki Lauda auf dem Grand Prix von São Paulo und bin dort auch ganz nah an die Leute rangekommen. Ich habe zum Beispiel mit dem sehr sympathischen Sebastian Vettel gesprochen.

Herr Lauda unterstützt das Projekt?

Ja. Für mich ist es interessant, jemanden zu spielen, der bekannt und noch am Leben ist. Das passiert mir zum ersten Mal. Es hat sich als großer Vorteil erwiesen, weil ich ihm jede Frage stellen kann. Glücklicherweise ist Niki Lauda so, wie ich es mir erhofft hatte, er ist sehr offen für alles. Mir imponiert diese österreichische, direkte Art. Ich hatte vor dem ersten Treffen die Befürchtung, dass ich verkrampft dasitzen würde und mich nicht trauen würde, ihn anzuschauen und auch über delikate Themen zu sprechen, zum Beispiel über den ganzen Alptraum, der mit seinem Unfall verbunden war. Aber diese Befangenheit nimmt er einem sofort, er ist irrsinnig locker. Ich habe viele Kleinigkeiten erfahren, die man aus Büchern oder Dokus so nie erfahren würde.

Trainieren Sie schon Englisch mit österreichischem Akzent?

Ja, das mache ich tatsächlich. Das ist die halbe Miete und macht die Sache auch ziemlich lustig.



von André Wesche
in Verleih von
Bundesstart: 19.01.2012


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