
„Nach meiner Überzeugung muss ein Mann, der dieser Behörde angehört, sich jederzeit so verhalten, dass selbst die geringste Möglichkeit der Kritik an seinem Verhalten ausgeschlossen ist.“ Dieses Zitat stammt nicht aus einer politischen Talkshow über aktuelle politische Ereignisse und Verwicklungen, sondern aus dem neuen Film von Clint Eastwood. „J. Edgar“ wagt den Versuch, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der jüngeren amerikanischen Geschichte zu porträtieren.
Ein halbes Jahrhundert lang hatte J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) das Sagen im Federal Bureau of Investigation, dem FBI. Er war ein Mann, vor dem selbst Präsidenten zitterten. Seine wichtigste Waffe waren Informationen, die Hoover gern auch auf unkonventionellem Wege beschaffte. Er setzte sie gegen all jene ein, die sich erlaubten, eine Weltsicht an den Tag zu legen, die von seiner eignen abwich. Natürlich waren vor allem Kommunisten für Hoover ein rotes Tuch. Der FBI-Mann selbst trug dafür Sorge, dass über sein eigenes Privatleben nichts an die Öffentlichkeit drang - schon gar nicht über seine sexuelle Orientierung, über die man gern und oft munkelte.
Die Messlatte liegt hoch und auch ein Meister wie Clint Eastwood kann sich nicht immer aufs Neue selbst übertreffen. Für sein neues Werk musste sich der Ausnahme-Regisseur auch Kritik gefallen lassen. Trotzdem ist „J. Edgar“ ein sehenswerter biografischer Film, in dem zahlreiche Konflikte thematisiert werden, die im Leben unserer Entscheidungsträger so oder ähnlich bis heute zur Debatte stehen. Das Ensemble ist erlesen. Leonardo DiCaprio zeigt einmal mehr, warum man ihn zu den Größten seiner Zunft zählt. Dame Judi Dench als Hoovers Mutter und Naomi Watts als seine treue Sekretärin sind nur Beispiele aus der eindrucksvollen Besetzungsliste. Verkörperungen prominenter Zeitgenossen wie Kinderstar Shirley Temple oder Fliegerlegende Charles Lindbergh geben sich die Klinke in die Hand und machen die Geschichte zusätzlich lebendig.
„Selbst bedeutende Männer können korrupt sein.“ Noch so ein Zitat.
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