Dezember 14, 2011
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Kinokritiken

Let Me In

Die bessere Vampir-Liebe

Filme aus Europa sind einem Großteil des nordamerikanischen Publikums nach wie vor suspekt. So muss David Fincher „Verblendung“, den ersten Teil der „Millenium“-Trilogie, noch einmal drehen, selbst wenn an der skandinavisch-deutschen Koproduktion aus 2009 rein gar nichts auszusetzen ist. Auch das geniale schwedische Horrordrama „So finster die Nacht“ von Tomas Alfredson musste nun eine Neubearbeitung durch „Cloverfield“-Regisseur Matt Reeves über sich ergehen lassen.

 

Die zahlreichen Fans des Originals können sich aber entspannen. „Let Me In“ ist kein auf Hochglanz poliertes Hollywoodfilmchen geworden, sondern ein zutiefst ergreifendes, recht originalgetreues Remake mit Independent-Charme und herausragenden Kinderdarstellern.



Los Alamos, New Mexico. Wir schreiben das Jahr 1983. Owen (Kodi Smit-McPhee) ist zwölf Jahre alt und lebt mit seiner streng religiösen Mutter in einem tristen Wohngebiet für die unteren Schichten. Der Außenseiter wird in der Schule von größeren und stärkeren Kids misshandelt, seine Freizeit verbringt er allein mit seinem Zauberwürfel oder beim Befriedigen seiner erwachenden sexuellen Neugier. Eines Tages zieht ein etwa gleichaltriges Mädchen in Begleitung eines älteren Mannes, vermutlich ihres Vaters (Richard Jenkins), in die Wohnung nebenan.

 

Zwischen Owen und Abby (Chloë Moretz aus „Kick Ass“) bahnt sich zögerlich eine Freundschaft an. Noch ahnt der Junge nicht, dass seine Flamme ein Vampir-Mädchen ist, das zum Überleben auf den regelmäßigen Genuss menschlichen Blutes angewiesen ist. Folgerichtig erschüttert eine grauenhafte Mordserie den Ort. Die Spuren führen den ermittelnden Beamten zu jenem Wohnblock, in dem Abby und Owen gerade die Schmetterlinge im Bauch fühlen…        



Da können sich Edward und Bella eine Scheibe abschneiden: „Let Me In“ ist ein glaubwürdiges Jugenddrama und ein knallharter Horrorfilm mit wundervollen romantischen Szenen. Das ändert zwar nichts daran, dass dieses Remake im Grunde nicht nötig war. Aber hier hat sich ein nicht minder talentierter Künstler respektvoll vor dem Werk eines Meisters verbeugt, indem er es mit sicherer Hand nachzeichnete.

 

Zuschauer im Alter der Protagonisten bleiben leider außen vor, die Altersfreigabe ab 16 Jahren ist absolut gerechtfertigt. Allen anderen sei dieses vorweihnachtliche Film-Highlight dringend ans Herz gelegt. Genre-Skeptiker könnten bekehrt werden und Fans des Kuschel-Grusels á la „Twilight“ werden eine neue Welt entdecken. Damit die Vampire auch morgen noch kraftvoll zubeißen können.



von André Wesche
in Verleih von Wild Bunch / Central
Bundesstart: 15.12.2011


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