
Mit seiner Hauptrolle im Oscar-Abräumer „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ gelang dem US-Amerikaner Jeremy Renner ein vergleichsweise später Durchbruch. Heute reißt sich ganz Hollywood um den 40-jährigen, Großprojekte wie „The Avengers“ oder „The Bourne Legacy“ drängen sich im Terminkalender des Schauspielers dicht an dicht. Zunächst kann man Jeremy Renner im vierten Teil der „Mission: Impossible“-Reihe an der Seite von Tom Cruise erleben.
Mr. Renner, Ihr Name klingt deutsch. Haben Sie deutsche Wurzeln?
Ja, mein Großvater Oskar ist in einem sehr jungen Alter nach Amerika gekommen. Ich habe ihn nie wirklich kennengelernt, er starb, als ich noch klein war. Deshalb vermag ich auch nicht zu sagen, aus welcher Region Deutschlands wir stammen. Ich habe mir aber unser Familienwappen auf den Arm tätowieren lassen.
In „The Hurt Locker“ standen Sie im Mittelpunkt des Geschehens, in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll” sind Sie nun „Der Helfer”. Was hat das zu bedeuten?
Ich habe keine Ahnung. Wenn es bedeutet, dass ich mich einfach zurücklegen und nichts tun kann, geht das für mich in Ordnung. Die Filme unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Und das ist gut, denn ich möchte denselben Film nicht immer und immer wieder machen. „Mission“ zu drehen, war eine erstaunliche Erfahrung und ein riesiger Spaß.
Tom Cruise klettert im Film am höchsten Gebäude der Welt herum. Waren Sie erleichtert, dass dieser Kelch an Ihnen vorbei gegangen ist?
Ja, das war das vorherrschende Gefühl. Ich hätte mich der Aufgabe sicherlich gestellt, wenn man sie mir abverlangt hätte. Aber es ist nicht so, dass ich dann jeden Morgen mit dem Gefühl erwacht wäre, „Yeah, das möchte ich unbedingt machen!“.
Welche Talente waren für Ihre Rolle gefragt?
In erster Linie beanspruchte mich das Training, das erforderlich war, um mich auf die physischen Herausforderungen meiner Stunts vorzubereiten. Das Erlernen der Martial Arts hat viel Zeit verschlungen: Kickboxen, Muay Thai, philippinisches Stickfighting. Normalerweise lernt man nur die Choreographie, die eine Szene erfordert. Aber der Film veränderte sich im Laufe der Dreharbeiten so häufig, dass wir niemals genau wussten, wann Kampfsequenzen auf dem Drehplan standen. Man konnte vorweg nichts choreografieren. Ich musste versuchen, die jeweilige Disziplin in der zur Verfügung stehenden Zeit so gut wie möglich beherrschen zu lernen. Das war ein langwieriger Prozess, drei Monate lang habe ich täglich sechs Stunden lang Kampfsport trainiert.
Wann haben Sie Tom Cruise zum ersten Mal getroffen?
Ich kannte ihn schon seit einigen Jahren, aber ich hatte niemals wirklich Zeit mit ihm verbracht. Erst im Laufe der Dreharbeiten habe ich ihn näher kennengelernt. Wir haben uns über unsere Familien unterhalten und über Motorräder, über Dinge eben, nach denen wir beide gleichermaßen verrückt sind. Ich habe Tom als einen Mann mit einer positiven Lebenseinstellung kennengelernt, der für alles offen ist. Er betrachtet die Welt mit den staunenden Augen eines 14-jährigen, der im Körper eines erwachsenen Mannes gefangen ist. Für ihn ist immer alles neu und er verliert nie die Wertschätzung für die Dinge. Wie ein Teenager will er Sachen zerbrechen und über Hindernisse laufen. Manche bezeichnen ihn als einen Adrenalin-Junkie, diese Meinung teile ich nicht. Er ist wie ein Junge, der sich austesten will: „Das ist erstaunlich, lasst es uns versuchen!“.
Sie haben gesagt, Tom Cruise arbeitet so hart, wie Sie es noch nie bei einem Menschen erlebt haben. Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
Dieser Typ schläft nie. Ehrlich, ich weiß nicht, wann er sich aufs Ohr legt. Er kann maximal zwei Stunden schlafen, denn er trainiert vor Drehbeginn 2 Stunden und ist dann 18 Stunden lang am Set. Und nach Feierabend schaut er sich noch einen Film an. Es ist schon erstaunlich, wie viel Liebe er für Filme und das Kino aufbringt. Er gibt einfach alles.
Ist der Superstar-Status eines Tom Cruise auch für Sie etwas Erstrebenswertes?
Oh, das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wie das ist, deshalb kann ich schwer etwas dazu sagen. Ebenso wenig vermag ich mir vorzustellen, wie es ist, eine Frau zu sein. Möchte ich wirklich so ein Superstar sein? Wahrscheinlich nicht. Tom lebt seit 30 Jahren damit und er ist gut darin. Soll er es machen. Ich weiß nur, was ich als Künstler erreichen möchte. Ich mache einen Film, wenn es für mich Sinn macht, ihn zu drehen.
Inwiefern hat „The Hurt Locker“ Ihr Leben verändert?
Der Film hat viele Dinge um mein Leben herum verändert, aber nicht mein Leben selbst. Sicherlich werde ich im Filmgeschäft und auch im Alltag anders wahrgenommen. Ich bekomme andere Jobangebote, andere Möglichkeiten.
Sie waren zweimal für den Oscar nominiert, zweimal gingen Sie leer aus. Haben Sie noch Hoffnung?
Ich weiß nicht, ob ich diese Hoffnung jemals hatte. Für mich war es ein großer Sieg, überhaupt wahrgenommen und nominiert zu werden. Ich fand es sogar besser, als die anderen gewonnen haben. Ich bin furchtbar schlecht darin, vor vielen Leuten zu reden. Das macht mich extrem nervös. Es war der bessere Deal, nicht das Wort ergreifen und eloquent tun zu müssen.
Können Sie nach einem Drehtag abschalten oder hängt es davon ab, ob Sie „Mission: Impossible“ oder den Serienkiller Jeffrey Dahmer („Dahmer“, 2002) spielen?
Jesus, das ist völlig unterschiedlich. Von einer Rolle wie Dahmer Abstand zu gewinnen, ist äußerst schwierig, so groß das Verlangen danach auch ist. Wir haben diesen Film in nur zwei Wochen gedreht. „Mission“ hat sechs Monate in Anspruch genommen. Die Anforderungen, die ein Film an die Schauspieler stellt, sind jedes Mal völlig anders. Und auch der Prozess, sich vom Projekt zu lösen, geht immer anders vonstatten. Die Abwechslung gehört zu den besten Dingen in meinen Job.
Sie haben kürzlich in Deutschland den Fantasy-Action-Film „Hänsel und Gretel“ gedreht. Haben Sie viel von Deutschland gesehen?
Nicht so viel, wie ich gern gesehen hätte, denn der Drehplan war extrem eng. Wir haben viel im Wald gedreht, den ich beeindruckend fand. Ich habe ein paar Museen besucht, aber auch Pubs und Clubs. Ich hatte einigen Spaß hier.
Welche Motivation haben Sie für Ihren Beruf?
Er ist mein Leben. Ich beziehe aus diesem Beruf sehr viel Freude, er fordert mich stark. Ich habe nie eine Alternative in Betracht gezogen. In meiner Freizeit saniere ich gern Häuser, ich liebe Architektur. Und ich musiziere gern und oft. Aber diese Dinge zum Broterwerb zu tun, käme für mich nicht infrage.
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