Dezember 14, 2011
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Kinokritiken

Rubbeldiekatz - Ein Gespräch mit Alexandra Maria Lara

Man darf sich seiner Melancholie nicht so sehr hingeben

Alexandra Maria Lara wurde in Bukarest geboren und floh mit ihrer Familie 1983 nach Deutschland. Hier stand die Tochter eines Schauspielers und einer Sprachwissenschaftlerin bereits mit elf Jahren erstmalig vor der Kamera. Laras Rollen in Filmen wie „Nackt“ und „Der Untergang“ erregten über die Landesgrenzen hinweg Aufmerksamkeit. Heute mischt die 33-jährige regelmäßig auch in englisch- und französischsprachigen Produktionen mit („Der Vorleser“, „Small World“). In Detlev Bucks Komödie „Rubbeldiekatz“ spielt Alexandra Maria Lara nun einen in Liebesdingen verunsicherten Filmstar.



Frau Lara, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Filmtitel zum ersten Mal gehört haben?
 

„Rubbeldiekatz“ war nicht unser Arbeitstitel, wir haben unter einem anderen Titel angefangen. Dann kam eines Tages die Nachricht aus dem Produktionsbüro. Ich hatte den Begriff „Rubbeldiekatz“ schon gehört, aber ich wusste ihn nicht so recht einzuordnen. Ich dachte, es hat etwas mit Geschwindigkeit zu tun, was ja auch stimmt. Ich persönlich finde, dass der Titel nicht treffender sein könnte. Für mich steht er für ein bestimmtes Lebensgefühl und in unserer Geschichte auch ein bisschen für „verkehrte Welt“, was Mann und Frau betrifft.


 
Matthias Schweighöfer schlüpft für seine Rolle in Frauenklamotten. Konnte er in dieser Hinsicht etwas von Ihnen lernen?
 

Ich kenne Matthias schon lange. Wir haben uns immer gewünscht, mal zusammenzuarbeiten. Am Anfang wusste ich gar nicht, wie genau es mit ihm als Frau sein würde. Als ich ihn zum ersten Mal in voller Montur um die Ecke kommen sah, war ich hin und weg. Es war ein echtes Aha-Erlebnis. Für einen Schauspieler ist so eine Doppelrolle natürlich eine tolle Chance, auf die man sich mit Freude stürzt. Matthias hat das großartig gemacht, er brauchte keine Tipps. Er kam aus der Maske und war jemand anderes, nämlich meine Freundin Alexandra.


 
Sind Sie in solchen Augenblicken anders miteinander umgegangen?
 
Tatsächlich haben wir uns als „Freundinnen“ über ganz andere Sachen unterhalten. Mit „ihr“ habe ich mich wahnsinnig gern über Gefühle und Befindlichkeiten ausgetauscht. Mit Matthias habe ich mich eher über berufliche Dinge unterhalten und darüber, was wir zuletzt im Kino gesehen haben. Das war wirklich sehr lustig.


 
Gab es Momente oder sogar Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie gern ein Mann gewesen wären?

 
Nein. Aber wenn man das verallgemeinern kann, haben Männer etwas, was Frauen ein bisschen abgeht. Männern geht manchmal eine andere Lässigkeit voraus, zum Beispiel, was den Umgang mit Konflikten betrifft. Aber darum sind Frauen eben auch diese faszinierenden, komplizierteren Wesen. Sie haben die Tendenz, sich in bestimmte Dinge zu verbeißen. Wenn sie etwas beschäftigt, dann oft sehr lang und ausgiebig.


 
Wer ist der bessere Hitler, Bruno Ganz in „Der Untergang“ oder Max Giermann in „Rubbeldiekatz“?
 

(lacht) Also, das sind ja nun zwei sehr unterschiedliche Hitler-Interpretationen, ein Besser und ein Schlechter kann es da nicht geben. Ich bin eine große Verehrerin von Bruno Ganz. Er hat sich in „Der Untergang“ einer unglaublich schwierigen Aufgabe gestellt und er hat Herausragendes geleistet. Es war sehr spannend, am Drehort mitzuerleben, wie er diese Verwandlung erzeugte, sich in den Text einfand. Das war  sehr beeindruckend. Hitler in einer Komödie darzustellen, ist aber auch nicht einfach, denn man kann schnell über die Stränge schlagen. Max Giermann hat das großartig gemacht. Der allererste Drehtag von „Rubbeldiekatz“ fand im Olympiastadion statt. Max Giermann hielt seine Rede und keiner von uns hat ihn um diese frühe Aufgabe beneidet. Chapeau, wie er das gemacht hat.


 
Wie unterscheidet sich Detlev Buck von anderen Regisseuren?
 
Er ist auch Schauspieler. Das ist vor allem dann ein Vorteil, wenn man selbst mal Momente der Unsicherheit oder des Zweifels hat. Bei einem Regisseur, der weiß, mit welchen Emotionen man vor der Kamera steht, fühlt man sich noch einmal anders aufgehoben. Ansonsten hat Buck seine ganz eigene Handschrift, seinen Stil. Am tollsten finde ich, dass er stets auf der Suche nach etwas Neuem, Ungewöhnlichem ist. Das führt immer wieder zu Überraschungen. Ich glaube, das merkt man dem Film auch an.  
 


Ihr Mann Sam Riley spielt eine kleine Rolle in „Rubbeldiekatz“. Haben Sie ihn dort untergebracht?
 
Buck und Sam haben sich auf Anhieb fantastisch verstanden und Buck hat sich gewünscht, dass er eine kleine Rolle übernimmt. Das hat Sam natürlich gern gemacht. So kam es zu seiner ersten deutschen Rolle - als Wagenmeister.


 
Kennen Sie egozentrische Regisseure wie den amerikanischen Filmemacher aus „Rubbeldiekatz“ auch aus persönlicher Erfahrung?    
 
Natürlich wird das im Film überspitzt dargestellt. Ich habe schon mit sehr vielen Regisseuren zusammengearbeitet und keiner ist wie der andere. Zum Beispiel hat jeder hat eine ganz andere Art mit Schauspielern zusammenzuarbeiten. Es gibt schüchterne, exzentrische, aber auch sehr humorvolle Regisseure. Ich hatte bisher großes Glück.


 
Ihre Figur Sarah ist in „Rubbeldiekatz“ meistens nicht wirklich glücklich. Welchen Tipp geben Sie Frauen in dieser Situation?
 

Man darf sich seiner Melancholie nicht so sehr hingeben. Man kann dagegen ansteuern, zum Beispiel, indem man dort hingeht, wo etwas los ist. Wenn ich mal nicht so gut drauf bin, habe ich manchmal keine Lust, aus der Wohnung zu gehen. Aber wenn ich mich dann doch überwinde und sehe, da draußen sind Menschen, da draußen ist Leben, dann geht es mir meistens gleich besser.



von André Wesche
in Verleih von Universal
Bundesstart: 15.12.2011


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