Dezember 22, 2011
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Kinokritiken

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Mit Faust, Fummel und Verstand

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Die Karriere des als kultig geltenden Regisseurs Guy Ritchie („Bube, Dame, König, grAs“) war merklich ins Stocken geraten. Der Brite versuchte sein Glück ausgerechnet mit einer Neuauflage des unendlich oft strapazierten Sherlock-Holmes-Stoffes. Dabei machte Madonnas Verflossener alles richtig, er verpasste der klassischen Vorlage eine gründliche Frischzellenkur einschließlich Action- und Humorinfusion. Anno 2009 traf „Sherlock Holmes“ den Nerv eines großen Publikums. Der Ruf war gerettet und Fall Nummer zwei konnte getrost ins Haus flattern.   

London vor 120 Jahren. Watson (Jude Law) gibt seiner geliebten Mary (Kelly Reilly) das Ja-Wort, aber die Flitterwochen verlaufen stürmischer als geplant. Sherlock Holmes (Robert Downey, Jr.) braucht seine rechte Hand mehr denn je, denn er ist einer ganz großen Sache auf der Spur. In Europa häufen sich Terroranschläge und seltsame Todesfälle in herrschaftlichen Kreisen. Zwischen Deutschland und Frankreich baut sich eine gefährliche Krisenstimmung auf. Darf man Holmes' wilder Theorie Glauben schenken, so ist hier der angesehene Professor James Moriarty (Jared Harris) am hinterlistigen Werk. Der Bösewicht will den ersten weltweiten Krieg auslösen, noch bevor der Lauf der Geschichte selbiges erledigen kann. Aber welchen Vorteil würde das kranke Superhirn aus der Krise ziehen?

Die wunderbaren Szenerien mögen Glanz und Elend einer vergangenen Epoche widerspiegeln, das Thema aber ist zeitlos: die Story des rundum gelungenen Sequels „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ würde auch einem modernen Agententhriller zur Ehre gereichen.

Der Held einer Geschichte ist immer nur so stark wie sein böser Gegenspieler. Das wusste auch Arthur Conan Doyle, als er den faszinierenden Professor Moriarty zum ebenbürtigen Kontrahenten seines Meisterdetektivs Sherlock Holmes machte. Jared Harris aus der Erfolgsserie „Mad Men" verkörpert den Schurken mit Stil und ohne Fehl und Tadel. Downey und Law haben sich als Holmes und Watson freilich gesucht und gefunden, Neuzugang Stephen Fry heimst als Holmes' ulkiger Bruder Mycroft viele Sympathiepunkte ein. Die Dialoge sind ähnlich pointiert wie die launigen Wortwechsel aus dem Vorgängerfilm, für wirklich viele dieser Schmankerl bleibt aber keine Zeit. Guy Ritchie hat niemals den Anspruch erhoben, ein intellektueller Filmemacher zu sein. Der Brite wird vom Spaß angetrieben und nur höchst selten einmal gönnt er seinen Zuschauern auf Holmes´ Europa-Tournee Momente der Besinnung. Schnelle Schnitte und grandiose Zeitlupenaufnahmen setzen einen ungemein physischen Holmes in Szene, der die Kampfkünste mindestens ebenso gern bemüht wie die Gehirnwindungen.  
   
Bei so viel Testosteron haben die Damen nicht viel zu melden. Rachel McAdams verabschiedet sich als Irene Adler in Rekordzeit und Noomi Rapace, die großartige Lisbeth Salander aus der „Millenium“-Trilogie, spielt als Wahrsagerin und neue Weggefährtin tatsächlich nur im Schatten. Ach ja: Viele Fans machen in der Beziehung zwischen Holmes und Watson von jeher eine homoerotische Komponente aus. Regisseur und Hauptdarsteller versprachen, sich dieser Problematik im zweiten Teil verstärkt anzunehmen. Ob sie Wort gehalten haben, sei an dieser Stelle nicht verraten.



von Robert Lucas
in Verleih von Warner Bros.
Bundesstart: 22.12.2011


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