
Sich „Verblendung, die zweite“ anzuschauen, ist ein Erlebnis – auch, wenn man die erste Version bereits verinnerlicht hat. Wenn man sich vorstellt, man habe das großartig inszenierte und gespielte Original auf einem alten Röhrenbildschirm und in Mono genossen, dann legt David Fincher nun die Blue-ray ein und dreht den High End-Sound auf.
Der Thriller-Freund kennt sie, die Geschichte, die der schwedische Journalist Stieg Larsson ersann und die ihn tragischer Weise erst nach seinem Tode weltberühmt machen sollte. Vor zwei Jahren stand der Bestseller „Verblendung“ im Mittelpunkt einer sehr soliden dänisch-schwedischen Filmproduktion, die sich zum europäischen Kinohit mauserte, anschließend die DVD-Verkaufszahlen in die Höhe schnellen ließ und mittlerweile zur am besten geeigneten Sendezeit über die Bildschirme flackert. Nur das englischsprachige Publikum tut sich bekanntlich schwer mit auswärtiger Filmkunst. Und sicherlich hat es auch etwas mit einem eklatanten Mangel an guten Stoffen zutun, dass man in Hollywood lieber in Rekordzeit eine eigene Version von „Verblendung“ aus dem Boden stampfte, als einer unausgegorenen neuen Idee eine Chance zu geben. Wenn man dann noch einen Oberliga-Regisseur wie David Fincher für das Projekt begeistern kann, der so unterschiedliche, geniale Serienkillerfilme wie „Sieben“ und „Zodiac“ auf seinem Konto verbuchen kann, dürfte eigentlich nichts schiefgehen. Oder?
Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) steht vor den Scherben seiner Existenz, als ihn ein lukrativer Auftrag angetragen wird. Henrik Vanger (Christopher Plummer), ein schwerreicher Industriemagnat, baut auf Mikaels Recherchekünste und betraut ihn mit den Nachforschungen über das mysteriöse Verschwinden und die mutmaßliche Ermordung seiner Lieblingsnichte Harriet. Mikael selbst wird ohne sein Wissen auf Herz und Nieren durchleuchtet. Die begnadete Computerhackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) hat jedes Detail aus dem Leben des Journalisten zutage gefördert. Die Suche nach Harriet wird Mikael und Lisbeth zusammenführen, zwei geschundene Seelen, die gegen ihre eigenen Dämonen zu kämpfen haben.
Künstlerisch kann sich David Finchers Film in jeder Hinsicht mit der europäischen Verfilmung messen. Auch der Amerikaner hat in Schweden gedreht, seine Darstellerriege ist nicht minder exquisit. Die komplexe Buchvorlage von Stieg Larsson wurde von Star-Autor Steven Zaillian („Gangs of New York“) gekonnt komprimiert. War es nun unbedingt erforderlich, „Verblendung“ noch einmal zu drehen? Sicherlich nicht. Trotzdem lohnt es sich, den schöneren und nicht minder gescheiten Zwilling kennenzulernen. Und man schaut sich im Fernsehprogramm doch auch lieber die x-te Wiederholung eines Lieblingsfilmes an, als irgendeinen faden Schwachsinn.
Anspruch: 2
Spannung: 4
Action: 3
Humor: 1
Erotik: 2
Verblendung - Ein Gespräch mit Regisseur David Fincher
Verblendung - Ein Gespräch mit Schauspielerin Rooney Mara
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen|
|