Dezember 27, 2011
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Kinokritiken von André Wesche

Vorschau: Das Kinojahr 2012

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
Foto: pr

Das Kinojahr 2012 steht ganz im Zeichen des Wartens auf einen sicheren Kassenschlager. Im Terminkalender aller Tolkien- und „Herr der Ringe“-Fans ist der 13. Dezember längst dick markiert. Dann startet „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ in den Kinos, der erste Teil der Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“. Es müssten schon dunkle Mächte im Spiel sein, würde Peter Jacksons Werk nicht alle Konkurrenten um den ersten Platz der Jahreshitparade aus dem Feld schlagen. Aber egal, ob man Fantasy-, Gefühls- oder Arthauskino mag, die Zeit bis dahin wird für niemanden lang werden. Ein Überblick über die mehreren hundert Filmstarts des neuen Jahres muss natürlich bruchstückhaft bleiben. Und man weiß ja um die Sprunghaftigkeit des Showbusiness: die angeführten Startdaten entsprechen zwar dem aktuellen Stand, sie können sich aber jederzeit noch ändern.

Das deutsche Kino sucht sich seine Inspirationen im Fernsehprogramm und im Bücherregal. Die ebenso komische wie kluge TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ feiert ein hoffentlich kongeniales Kinodebüt (15.03.), während mit „Das Haus der Krokodile“ (22.03.) eine spannende Kinderserie aus den 1970-er Jahren als Spielfilm wiederauflebt. Der ehemals jugendliche Hauptdarsteller Thomas Ohrner ist mit von der Partie, er übernimmt die Rolle des Vaters. Von vielen Freunden der legendären Serie „Kir Royal“ wird Helmut Dietls Film „Zettl“ (02.02.) mit Michael Bully Herbig herbeigesehnt, dessen Handlung lose mit dem Straßenfeger von einst zusammenhängt.

Unter den deutschsprachigen Bestsellern, die sich ab 2012 auch sehen lassen können, seien Wladimir Kaminers „Russendisko“ (29.03.), der wissenschaftlich angehauchte Krimi „Schilf - Alles, was denkbar ist, existiert“ (08.03.) von Juli Zeh und Daniel Kehlmanns fiktive Biografie „Die Vermessung der Welt“ (25.10.) besonders erwähnt.

Auch einige der ganz großen Namen locken im nächsten Jahr wieder ins Kino. Steven Spielberg inszenierte mit „Gefährten“ die Geschichte eines Kriegspferdes und dessen Besitzers auf gewohnt epische Weise. „Hugo Cabret“ heißt Martin Scorseses Beitrag zum 3-D-Kino. In der Verfilmung eines Jugendromans von Brian Selznick spielt der 14-jährige Asa Butterfield die Hauptrolle, der das Publikum bereits als Bruno in „Der Junge im gestreiften Pyjama“ zutiefst berührte.

Unter den unvermeidlichen Fortsetzungen, die es auch 2012 en masse geben wird, finden sich „Ghost Rider 2“ (22.03.), „Zorn der Titanen“ (29.03.), „Resident Evil 5“ (20.09.), „Men in Black 3“ (24.05.), „Bourne Legacy“ (13.09.), „The Amazing Spider-Man“ (03.07.) - und so weiter, und so fort. „American Pie: Das Klassentreffen“ (05.04.) vereint noch einmal die gesamte Chaoten-Truppe aus dem netten ersten Teil der schlüpfrigen Komödie.

Eine Art Klassentreffen wird es auch, wenn sich am 26. April in „Marvel's The Avengers“ Iron Man, Hulk, Captain America, Thor und Co. begegnen. Suzanne Collins Fantasy-Trilogie “Die Tribute von Panem” versorgt die Genre-Fans mit Nachschub, während Disney und PIXAR sich an Edgar Rice Burroughs´ Science-Fiction-Geschichten rund um „John Carter“ (08.03.) wagten.

Für Twilight-Freunde geht eine Ära zu Ende. In „Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)“ wird man ab 22. November miterleben, wie die Liebesgeschichte zwischen Altvampir Edward und Neuspitzzahn Bella zu Ende geht. Oder eben auch nicht. Blutsauger bleiben natürlich trotzdem in Mode. So finden Franziska Gehms bei jugendlichen Leseratten beliebten „Vampirschwestern“ den Weg auf die große Leinwand (27.09.), während Kate Beckinsale in „Underworld: Awakening“ einmal mehr zur sexy Vampir-Kriegerin Selene mutiert. Die britische Schauspielerin ist auch mit an Bord, wenn am 16. August eine neue Version des Science-Fiction-Klassikers „Total Recall – Die totale Erinnerung“ das Licht der Welt erblickt, mit Colin Farrell als Nachfolger von Arnold Schwarzenegger. Was Arnie Recht ist, kann Sylvester Stallone nur billig sein. Slys Klassiker „Judge Dredd“ wird neu aufgelegt, diesmal mit Karl Urban in der Titelrolle.

Der anspruchsvollere Kinogänger freut sich wahrscheinlich schon auf Meryl Streeps geniale Interpretation der Maggie Thatcher in „Die eiserne Lady“ (01.03.), das 11. September-Drama „Extrem Laut und Unglaublich Nah“ (16.02.) oder die Krebs-Komödie (!) „50/50“, die, von zahlreichen Vorschusslorbeeren begleitet, am 03. Mai startet. Keira Knightley wird unter der Regie von Joe Wright zu „Anna Karenina“ und Margarethe von Trotta erfüllte sich mit ihrem Werk über „Hannah Arendt“ (11.10.) einen lange gehegten Traum. Barbara Sukowa wird in die Rolle der Philosophin schlüpfen. Schließlich hat Walter Salles noch Jack Kerouacs eine ganze Generation prägendes Werk „On the Road – Unterwegs“ auf Film gebannt, eine Aufgabe, zu der ihn sein exzellentes Roadmovie „Die Reise des jungen Che - The Motorcycle Diaries“ prädestinierte.

Am 01.11. läutet der 23. James-Bond-Streifen „Skyfall“ den Endspurt eines Kinojahres ein, das ein abwechslungsreiches und unterhaltsames werden kann, wenn all die Produzenten, Regisseure und Autoren ihren Job genauso gut gemacht haben wie die Zuschauer, die ihnen ihr schwer verdientes Geld in Erwartung eines besonderen Erlebnisses anvertrauen.

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