
Helmut Dietls Filme „Late Show“ und vor allem „Vom Suchen und Finden der Liebe“ waren nicht das, was sich das Publikum vom Meister der geschliffenen Worte erhoffte. Vielleicht besann sich der Regisseur auch deswegen auf einen seiner größten Erfolge, den legendären TV-Sechsteiler „Kir Royal“ rund um den Society-Reporter Baby Schimmerlos und die Münchner Schickeria. Die Satire „Zettl“ ist keine echte Fortsetzung von „Kir Royal“, wohl aber ein Update des Stoffes für das 21. Jahrhundert – und endlich wieder ein „richtiger“ Helmut Dietl-Streifen.
Gleich zu Beginn schafft eine schöne Animation den sanften Übergang vom „Kir Royal“-Universum ins pulsierende Leben der Berliner City. Sie ist der natürliche Lebensraum des Chauffeurs Max Zettl (Michael „Bully“ Herbig), der die Reichen, Mächtigen und Schönen durch die Hauptstadt kutschiert und dabei immer wieder delikate Informationen aufschnappt. Zettl ist mit allen Wassern gewaschen und befriedigt gern die ausgefallenen Bedürfnisse seiner hochrangigen Fahrgäste. Baby Schimmerlos hat man mittlerweile zu Grabe getragen, aber auf Promi-Fotograf Herbie Fried (Dieter Hildebrandt) wartet bald eine neue berufliche Herausforderung. In Berlin soll ein neues Online-Magazin aus dem Boden gestampft werden. Der in Mediendingen bis dato unbeleckte Zettl wird zum Chefredakteur berufen – und erweist sich prompt als Naturtalent des moralfreien Enthüllungsjournalismus. Die Machtmenschen und die Möchtegerns fühlen sich bedroht und es wird Ränke geschmiedet, bis der Arzt kommt…
Helmut Dietl hat sich Benjamin von Stuckrad-Barre („Soloalbum“) an seine Seite geholt, um das Drehbuch zu seiner neuen Satire zu Papier zu bringen. Der 37-jährige Schriftsteller und Journalist kennt sich in Berlin bestens aus, weiß über die neuen Medien Bescheid und ist näher dran an einem jüngeren Publikum. Die Zusammenarbeit der Autoren war fruchtbar. Das Wiedersehen mit den „Kir Royal“-Helden wie Dieter Hildebrandt und Senta Berger macht viel Spaß, die neuen Figuren (u.a. Karoline Herfurth, Dagmar Manzel) sind ein Gewinn. Michael „Bully“ Herbig überzeugt in der Rolle des Titelhelden, auch wenn er den trockenen Humor erst üben musste.
Noch immer beherrscht Dietl den Dialog-Witz wie kein Zweiter („Im Rahmen meiner Möglichkeiten bin ich anständig geblieben!“). Lustvoll stürzt der Regisseur seine Figuren in absurde Situationen und zaubert dem Zuschauer damit ein dauerhaftes Lächeln aufs Gesicht. Natürlich ist es nicht einfach, eine Satire über die Wechselwirkung von Politik und Medien zu stemmen, wenn die Abendnachrichten tagtäglich neue Absurditäten aus dem wahren Leben präsentieren. Dass das Gesamtpaket lustig, aber reichlich belanglos daherkommt, ist nicht etwa eine Schwäche des Drehbuchs, es ist ein Zeichen der Zeit. Wo in der Realität Drohanrufe auf dem Anrufbeantworter landen, ist jede Subtilität in der Satire fehl am Platze. „Zettl“ schürft nicht in der Tiefe, die Figuren agieren karikaturenhaft, Klischees allerorten – Deutschland hat anno 2012 den Film bekommen, den es verdient. Man sollte ihn nicht verpassen.
Anspruch: 2
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 4
Erotik: 0
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