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Leidenschaft beim Schopfe gepackt

Volljährig ist am Theater Vorpommern ein Format geworden, das im Laufe der Jahre vielen Choreographen der freien Szene zu einem Sprungbrett ihrer Laufbahn geworden ist. Zum 15. Dienstjubiläum luden sich Ballettdirektor Ralf Dörnen und seine Stellvertreterin Sabrina Sadowska Katarzyna Gdaniec (Polen), Marco Cantalupo (Italien) und Yaron Sahmir (Israel) ein, mit ihrer Compaigne die dritte Premiere der Saison zu gestalten. Katarzyna Gdaniec und Marco Cantalupo stellten mit „Unmerkliche Spuren der Normalität“ eine Adaption einer ihrer 40 bestehenden Choreographien vor.

Das Duo setzt auf einen feinfühligen und vertrauensvollen Körperkontakt zwischen den Auftretenden, ausschwärmenden Ensembleleistungen, die den individuellen Ausdruck des Einzelnen wahrten, und Bewegungen, die bei aller Raschheit in den Raum ausliefen. Zelebriert wird die Geste in ihrer flüchtigen Einmaligkeit. Das Werk wirft die Frage auf, ob eine Gebärde heute noch fesselt. Und ja – natürlich kann sie es. Sei es beim beherzten Ringen zweier Männer um eine Position oder eine leicht versetzt ausgeführte Synchronität zweier Frauen.

Einen leidenschaftlichen Punkt setzten Margaret Howard und Nathan Cornwell im beschließendem Pas de deux auf der rot erleuchteten Bühne. Seine Partnerin mit der rechten Hand am Schopfe packend und mit der linken unter die Achsel greifend durchmaßen sie diese Verbundenheit bis hin zum freien, gelösten Wirbeln auf der Schulter. Musik der isländischen Cellistin und Komponistin Hildur Gudnadóttir, des französischen Tonbandmusikexperimentators Luc Ferrari und STADE setzte tupfende Impulse.

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