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„Spiegel“-Chefredakteure gefeuert

Mathias Müller von Blumencron (links) und Georg Mascolo sind nicht mehr Chefredakteure des „Spiegel“.
Mathias Müller von Blumencron (links) und Georg Mascolo sind nicht mehr Chefredakteure des „Spiegel“.

Nach quälenden Grabenkämpfen sucht der „Spiegel“ einen Neuanfang. Lange hatte der Verlag dem Dauerstreit zwischen den Chefredakteuren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zugesehen. Jetzt sind alle beide abberufen – sowohl der Print-Chef als auch der Digital-Chef.

In der Mitteilung zur Ablösung heißt es knapp, es habe „unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung“ gegeben. Die Branche rätselt: Wer wird der oder die Neue im Chefsessel von einem der wichtigsten Qualitätsblätter Deutschlands? Wem wird es gelingen, das Traditionsblatt und das Onlineportal mitten in der Medienkrise erfolgreich zu verzahnen?

Seit Jahren auch viel Kritik am Inhalt

Gebraucht wird eine führungsstarke Spitzenkraft, denn wie andere Medienhäuser hat auch das renditestarke Hamburger Verlagshaus Auflagenrückgang, Anzeigenverluste und Umsatzminus zu spüren bekommen. Auch inhaltlich sah sich „Der Spiegel“ in den vergangenen Jahren einiger Kritik ausgesetzt: Schon unter Stefan Aust – Chefredakteur von 1994 bis 2008 – habe das Blatt seinen Platz als Leitmedium verloren, beklagte bereits 2005 Franziska Augstein, Tochter des Gründers und selbst profilierte Journalistin. Das Magazin sei zu einem geschwätzigen Blatt unter anderen geworden.
Wie es weitergeht? Nach allem was man aus der Branche hört, nicht mehr mit einem Führungsduo. Nur übergangsweise wird die Print-Redaktion von zwei stellvertretenden Chefredakteuren geführt, das Internet-Angebot vom Chefredakteur bei „Spiegel Online“, Rüdiger Ditz, aufgestellt.

Wer auf die Doppelspitze folgt, soll bald bekanntgegeben werden. Die Mitarbeiter KG (Anteil: 50,5 Prozent), der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein (24 Prozent) müssen sich auf die Nachfolge einigen. Vielleicht ist die Zeit der Doppelspitzen in der Medienlandschaft vorbei. Auch beim Konkurrenten „Stern“ ist das Tandem aus Thomas Osterkorn und Andreas Petzold ein Auslaufmodell. Im Mai übernimmt dort Dominik Wichmann.

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