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Viele tote Frauen und ein Pferd

Im Staatstheater Karlsruhe werden „Männerphantasien“ auf die Bühne gebracht.  FOTO: Uli Deck
Im Staatstheater Karlsruhe werden „Männerphantasien“ auf die Bühne gebracht. FOTO: Uli Deck

VonIngo Senft-Werner

Mit seinen Thesen zum „soldatischen Mann“ hat Theweleit Geschlechter- geschichte geschrieben.
36 Jahre später sind seine Phantasien wieder zu sehen.
Karlsruhe.Bei der Prägung des „soldatischen Mannes“ ist die Frau im Wege. Der Mann muss sie und damit seine weibliche Seite vernichten. Das ist eine der Wahrheiten des Klassikers „Männerphantasien“, mit dem der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit 1977 Furore machte. 36 Jahre später hat das Staatstheater Karlsruhe in seiner philosophischen Reihe diese Gedanken auf die Bühne gebracht. Das Publikum feierte das kleine Ensemble nach der Premiere ausgiebig.
Regisseur Patrick Wengenroth hat aus dem 1200 Seiten starken Werk eine nachdenkliche und zugleich muntere Nummernrevue entwickelt – eine Mischung komplexer Gesellschaftskritik gemischt mit passenden Musikstücken von Schlagern bis Techno. Die Hauptfigur Klaus, ein grauhaariger Mann, erzählt von der Arbeit an seiner Doktorarbeit, von dem Versuch, die Ursachen des Faschismus zu ergründen. Dabei verfällt er selbst immer wieder in die Verhaltensweisen des „soldatischen Mannes“, der durch Drill entmenschlicht wurde, der gelernt hat, „dass schön ist, was wehtut“. Begleitet wird Klaus von vier Frauen, die in seine Rollenklischees schlüpfen: die Mutter, die Putzfrau, die keusche Krankenschwester und die begehrte und gefürchtete Geliebte. Sie bevormunden und umgarnen, beschimpfen und analysieren ihn. Deshalb erschießt sie der Mann – immer und immer wieder. „Denn dem richtigen Mann fehlt nichts, wenn Frauen fehlen“.
Was dem Mann fehlt, ist ein echter Kamerad. Und so wird zum Schluss des rund 100 Minuten langen Stückes zur Überraschung der Zuschauer ein echtes Pferd auf die Bühne geführt. Es wird von Klaus angehimmelt und erträgt sein Ständchen ebenso stoisch wie den künstlichen Nebel und das Maschinengewehrrattern. Mit Hufstampfen sorgt es für ein paar überraschende Akzente.

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