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23-jähriger Fleischerlehrling gesteht Mord aus Lust

VonJoachim Mangler

Entsetzen im Landgericht Rostock: Eine ukrainische Prostituierte ist brutal umgebracht worden – offenbar aus Spaß. Der Täter schildert alle Einzelheiten.

Rostock.Mit einem umfangreichen, äußerst detaillierten Geständnis des 23-jährigen Angeklagten hat vor dem Landgericht Rostock der Prozess um die Ermordung einer 52-jährigen Prostituierten begonnen. Der Mann gestand am Dienstag, die Ukrainerin mit einem Messer getötet zu haben. Allerdings sei es ihm entgegen früheren Angaben vor der Polizei nicht um Bargeld gegangen. Er habe das Verbrechen nur wie einen Raub aussehen lassen wollen. Vielmehr wollte er den Gedanken, einen Menschen zu töten, in die Tat umsetzen. Er war davon ausgegangen, dass bei der Ermordung einer Prostituierten nur eine geringe Chance der Entdeckung bestand. Der Richter sagte, dass sich der Angeklagte neben eines Raubmordes auch der Mordlust und Heimtücke schuldig gemacht habe.

Mordfantasien
wegen des Vorarbeiters
Der Mann, der eine Fleischerlehre absolvierte, schilderte, dass er sich schon länger mit Mordfantasien beschäftigte. Als Beispiel nannte er einen früheren Vorarbeiter, der ihm übel mitgespielt haben soll. Doch während sich dies zuvor nur auf Gedanken beschränkte, war er im November 2012 zunächst in die Modelwohnung in der Rostocker Innenstadt gegangen, um das Umfeld zu erkunden. Die Tat selbst bezeichnete er im Gerichtssaal als schrecklich. Die Frau müsse nach der ersten Attacke mit Stichen in Brust und Rücken unvorstellbare Schmerzen gehabt haben. Mit einem Schnitt in den Hals und einem zweiten, als die Frau immer noch lebte, wollte er ihr Leiden beenden.
„Das ist schrecklich, was ich getan habe. Dafür muss ich geradestehen“, sagte der junge Mann, der im Gerichtssaal einen verständigen und zurückhaltenden Eindruck machte. „Das ist nichts Schönes, einen Menschen zu töten. (...) Das hat niemand verdient“, sagte er. Er könne sich nicht vorstellen, wie andere Menschen, die eine solche Schuld auf sich geladen haben, damit weiterleben können. Der damals 22-Jährige hatte sich eine Woche nach der Tat gestellt, er habe es nicht mehr aushalten können. Zu Beginn hatte seine Verteidigerin den Antrag gestellt, die Öffentlichkeit von dem Prozess auszuschließen. Das Gericht lehnte dies ab. In der Begründung ließ der Vorsitzende Richter durchblicken, dass der Psychiater keine Anzeichen einer psychischen Erkrankung habe feststellen können.
Die Leiche der Frau war erst Tage nach der Tat von dem Untervermieter der Wohnung entdeckt worden. Nachdem er die Miete nicht pünktlich bekommen habe, sei er persönlich zur Wohnung gegangen, um sich das Geld zu holen. Aber schon zuvor hatten Bewohner unangenehmen Geruch bemerkt.

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