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Beim Abi bleibt alles beim Alten

Kaum vergleichbar: Die Bundesländer verlangen unterschiedliche Mindestanforderungen für die Zulassung zum Abitur.
Kaum vergleichbar: Die Bundesländer verlangen unterschiedliche Mindestanforderungen für die Zulassung zum Abitur.

Die SPD/CDU-Koalition hat vorerst alle Änderungen am Weg zum Abitur in Mecklenburg-Vorpommern abgelehnt. Zwei Vorschläge der Linkspartei und der Grünen werteten sie im Landtag unter anderem als „Schnellschuss“ oder als „unpraktikabel“. Unterstützung bekam die Kritik der beiden Oppositionsparteien am zwölfjährigen „Turbo-Abitur“ allerdings von der Lehrer-Gewerkschaft GEW.

Die Linkspartei hatte beantragt, den Unterricht der ihrer Meinung nach überlasteten Abiturienten teilweise in untere Klassenstufen zu verlagern, schriftliche Abiturprüfungen zu streichen und die Lehrpläne zu straffen. Die Grünen schlugen vor, den Schülern in der zehnten Klasse an bis zu sechs Modellschulen die Wahlmöglichkeit zu geben, ob sie weitere zwei oder drei Jahre bis zum Abitur gehen wollen.

Brodkorb: "Gymnasium kann keine Spaßgesellschaft sein"

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sagte, es gebe kein Grundrecht auf ein Abitur und das Gymnasium könne keine Spaßgesellschaft sein. Grundsätzlich müsse unter anderem bundesweit geklärt werden, wie viele Abiturienten erwünscht seien, und auf welchem Leistungsniveau sie am Ende geprüft werden sollten. Brodkorb zitierte eine Schweizer Intelligenz-Forscherin, laut der eine Abiturienten-Quote von rund 25 realistisch wäre. In Mecklenburg-Vorpommern liege sie bei 29 Prozent. Brodkorb glaubt allerdings, dass man sich vor 2017 bundesweit nicht einer Gesamtlösung nähern werde.

Torsten Renz (CDU) sagte, Änderungen am Abitur in Mecklenburg-Vorpommern seien nicht notwendig. Es gebe keinen Grund als Politiker „weiche Knie“ zu bekommen, nur weil Abgeordnete im Westen auf Eltern-Proteste reagierten, die ihr 13-jähriges Abitur zurückhaben wollten. Die GEW sah in den Vorschlägen der Opposition „wichtige Schritte hin zu einer Verbesserung der jetzigen Situation“, die von gestressten Schülern, Lehrern und Eltern geprägt sei. Laut Margret Seemann (SPD) suchen viele Abiturienten wegen der Belastung ihr Heimatdorf nur noch zum Schlafen auf.

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