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Bockhahn bürstet Schwesig ab

Auch langjährige Beobachter von Partei-Veranstaltungen der Linken können sich nicht daran erinnern, dass ein Genosse schon einmal den alten Kämpen Dietmar Bartsch herausgefordert hat. Hans-Georg Woest wagt es bei der Vertreterversammlung in Göhren-Lebbin, auf der die Landes-Linke ihre Kandidaten für die Bundestagswahl am 22. September aufstellt.

Immerhin: Listenplatz 1 und 2 bedeuten den aus heutiger Sicht sicheren Einzug in den Bundestag. Platz 3 könnte auch noch ziehen, falls die Linke wieder an ihr Wahlergebnis in MV von 2009 mit fast 30 Prozent herankommt.

Der 19-jährige Architekturstudent fordert mit Bartsch eines der Schwergewichte der Linkspartei in Deutschland heraus: Der 55-Jährige Bundestagsabgeordnete war lange Jahre Bundesgeschäftsführer, galt lange Zeit als aussichtsreicher Nachfolger von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine. Von vornherein ist klar, dass der Newcomer Woest keine Chance gegen den Polit-Routinier haben würde. Zumal Woests Bewerbungsrede schwach ist. Mehr als Floskeln wie soziale Gerechtigkeit oder die Erinnerung daran, dass die Partei eine „gemeinsame Linke“ repräsentiere, kann er nicht bieten. Nur 3 von 105 Genossen votieren für ihn.

Kurz danach tritt Woest auch noch gegen den Rostocker Ex-Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn im Kampf um Listenplatz 4 an. Wenigstens holt er hier 12,4 Prozent. Während Parteivorsitzende Heidrun Bluhm ohne Gegenkandidatin auf 90,7 Prozent Ja-Stimmen kommt, duellieren sich die Bundestagsabgeordnete Martina Bunge sowie die ehemalige Landrätin von Rügen, Kerstin Kassner, die auf Listenplatz 3 gesetzt worden war. Die Rüganerin setzt sich mit 52,8 Prozent durch.

Bartsch stellt in seiner Bewerbungsrede klar, dass sich die Linke nach wie vor als Interessenvertreterin der Ostdeutschen sieht. So könne es nicht angehen, dass nur 5 von 88 Hochschulrektoren im Osten gebürtig seien. „Wir sind doch nicht dümmer“, schimpft Bartsch. Im Übrigen würden die anderen Parteien Vieles jetzt fordern, was die Linke schon lange auf der Agenda habe: Mindestlohn, Abzug aus Afghanistan, Abschaffung der Praxisgebühr. „Als sich Schäuble jetzt zur Austrocknung der Steueroasen äußerte, dachte ich, der liest aus unserem Wahlprogramm 2009 ab“, stellt Bartsch klar.

Von den Hockern reißt dann vor allem Steffen Bockhahn die Genossen, als er sich die rot-schwarze Landesregierung in Schwerin zur Brust nimmt. Insbesondere Manuela Schwesig (SPD) scheint er als seine „Lieblingsministerin“ auserkoren zu haben. Während sie gerne in Talkshows gastiere, gebe es keine Landesregierung, die so viel Geld aus Bundesprogrammen in der „Landesverwaltung kleben lässt“, das eigentlich den Gemeinden und Kreisen zugute kommen sollte. Bestes Beispiel: 2011 habe man aus einem millionenschweren Programm des Bundes für Familienhebammen 16,1 Prozent „für die eigene Verwaltung verbraten“.

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