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Den Grünen stinkt’s: Luftfilter für Riesen-Ställe gefordert

Da werden zahlreiche Bauern die Hände über dem Portemonnaie zusammenschlagen: Die Grünen-Fraktion im Landtag fordert, Landwirtschaftsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern zur Anwendung von Abluftfiltern bei Schweine- und Geflügelmastanlagen zu verpflichten. Ein entsprechender Antrag soll bei der nächsten Landtagssitzung eingebracht werden, kündigte Grünen-Abgeordnete Jutta Gerkan an.

Hintergrund: Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt haben im Jahr 2011 im Nordosten 73 Tierhaltungsbetriebe den Grenzwert beim Ammoniakausstoß überschritten, so die Grünen. MV habe 2008 mit einem Anteil von 6,5 Prozent zum deutschlandweit auftretenden landwirtschaftlichen Ammoniakausstoß beigetragen. Im Vergleich mit Bundesländern wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein liege der Nordosten mit 2701 Tonnen pro Jahr deutlich vorn: Schleswig-Holstein bringe es auf 544 Tonnen, Brandenburg auf 2147.

Ammoniak belastet Gewässer, Wälder und Moore

„Mit den neuen Vorschriften zum Emissionsschutz, die seit kurzem auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gelten, wird die Abluft aus Tierhaltungsanlagen sauberer werden. Das ist auch dringend notwendig, denn schließlich geht es bei der industriellen Schweine- und Geflügelmast nicht nur um ein bisschen Gestank. Emissionen aus der Tierhaltung verursachen enorme Umweltschäden“, sagte Gerkan. Ammoniak belaste naturnahe, nährstoffarme Gewässer, Wälder und Moore mit zu viel Stickstoff und führe dort zur Überdüngung. Außerdem seien die großen Tierhaltungsanlagen Ursprung für zahlreiche Krankheitserreger, die zum Teil auf Medikamente gar nicht mehr ansprechen würden.

Dass die Anlagenbetreiber in puncto Umweltschutz bei Tierhaltungsanlagen massiv umdenken müssten, zeigten die zahlreichen erfolgreich geführten Klagen von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden gegen rechtswidrig errichtete Anlagen, argumentieren die Bündnisgrünen. Die Gerichte würden mehr und mehr den Erkenntnisgewinn der vergangenen Jahre über die negativen Umweltwirkungen und Gesundheitsgefahren, die von Tierhaltungsanlagen ausgehen, anerkennen.

Ein Beispiel im Land sei die trotz Widerspruchsverfahren und Protesten in Betrieb genommene Intensiv-Hähnchenmastanlage für 131 500 Broiler je Durchgang in Kuppentin bei Plau am See. Diese musste nach einem Urteil ihren Betrieb vorläufig wieder einstellen. Die Umweltschutzorganisation BUND hatte seit Beginn der Planungen im Jahr 2009 darauf hingewiesen, dass negative Auswirkungen auf ein europäisches Naturschutzgebiet sowie für die Anwohner entstehen würden. Durch die vergrößerte Intensivanlage hätten unter anderem mehr als sechs Tonnen Ammoniak ausgestoßen werden können, die zu Schäden im Schutzgebiet der Alten Elde führen würden.
 

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