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Evakuierungen in Dömitz und Boizenburg

Noch sind Schal und Strickfüßlinge trocken: Eine Skulptur auf dem Deich, der die Altstadt im brandenburgische Wittenberge gegen das Elbhochwasser schützt.  FOTO: Bodo Marks
Noch sind Schal und Strickfüßlinge trocken: Eine Skulptur auf dem Deich, der die Altstadt im brandenburgische Wittenberge gegen das Elbhochwasser schützt. FOTO: Bodo Marks

VonIris Leithold

Sperrgebiete wurden einge-
richtet, ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert. Im Hochwassergebiet Mecklenburg-Vorpommerns spitzte sich die Lage zu.

Dömitz/Boizenburg.Die Elbeflut hat auch in Mecklenburg-Vorpommern bedrohliche Ausmaße erreicht. Immer näher rückte das Wasser im Verlauf des Montags an die Deichkronen heran. Am Nachmittag stieg der Pegelstand in Dömitz (Ludwigslust-Parchim) pro Stunde allerdings um weniger als einen Zentimeter, bis er gegen 15 Uhr 7,19 erreichte – das sind fünf Meter mehr als normal und knapp ein halber Meter über dem historischen Höchststand von 6,72 Meter beim Hochwasser 2011.
Als gegen 18 Uhr der Pegelstand nicht noch weiter gestiegen war, keimte Hoffnung auf. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Scheitelpunkt der Flut schon erreicht sei, sagte Landrat Rolf Christiansen nach einer Sitzung des Katastrophenabwehrstabes. Er wies aber gleichzeitig daraufhin, dass die Gefahr für die Deiche vor allem auch vom enormen und länger anhaltenden Wasserdruck herrühre und nicht nur von der Wasserhöhe.
Nach offiziellen Prognosen sollten zur Wochenmitte in Dömitz 7,65 Meter und in Boizenburg 7,80 Meter erreicht werden. Diese Spitzenwerte werden inzwischen aber ausgeschlossen. Wie hoch das Wasser letztendlich steigen wird, darauf wollten sich weder Landrat Christiansen noch Umweltminister Till Backhaus (SPD) festlegen.
Das Stagnieren des Wasserstandes könnte ein Effekt der Flutung der Havelpolder in Brandenburg und eines Deichausbruches weiter flussaufwärts sein. Wegen der anhaltenden Gefahr wurde am frühen Montagabend das Hochwassergebiet an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern für Ortsfremde gesperrt. Die rund 12 500 Einwohner in Dömitz, Boizenburg, Neu Kaliß, Lübtheen, Teldau und Teilen von Boizenburg-Land sollen sich auf eventuell nötig werdende Evakuierungen vorbereiten, sagte Landrat Christiansen.
Ministerpräsident Erwin Sellering hatte eine Auslandsreise etxra früher abgebrochen und an der Sitzung des Katastrophenabwehrstabes teilgenommen. Zwei Termine in Dubai am Montagmorgen seien gestrichen worden. Neben Sellering und Umweltminister Backhaus war auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in der Hochwasserregion unterwegs.
Nach der Sitzung des Katastrophenabwehrstabes besuchte Erwin Sellering Helfer in der Ortschaft Neu Kaliß. Sandsäcke wanderten auf dem Abfüllplatz in einer Menschenkette von Hand zu Hand. Nur zehn Minuten brauchte es, bis die Ladefläche des Lastwagens gefüllt war. Die Fröhlichkeit der mehr 100 Menschen auf dem Platz hatte es dem Ministerpräsidenten angetan. „Sie wissen, sie tun etwas Vernünftiges“, sagte er und klopft den Leuten auf die Schulter. Händeschütteln konnte er nicht, die Sandsäcke wanderten weiter.
Nur wenige Stunden zuvor waren das DRK-Altenheim in Dömitz und das Boizenburger Krankenhaus evakuiert worden. Der Landkreis schloss 19 Schulen. Teilweise sind sie selbst überschwemmungsgefährdet, teils sollen sie als Notunterkünfte dienen oder Einsatzkräfte beherbergen. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat bei der Landesregierung 2000 Feldbetten bestellt. Die Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und Feuerwehren wurden aufgestockt. Allein die Bundeswehr ist mit 1400 Soldaten vor Ort, wie es hieß. Die Gesamtzahl der Einsatzkräfte wird mit weit über 2000 angegeben. Sie haben die Erhöhung der Elbdeiche um 30 Zentimeter nahezu abgeschlossen.

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