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Fleischkontrollen in 18 Betrieben

Ein niederländischer Großhändler soll massenweise Pferdefleisch falsch deklariert haben. Bis zu 50 000 Tonnen Schummel-Fleisch sollen so europaweit verkauft worden sein.
Ein niederländischer Großhändler soll massenweise Pferdefleisch falsch deklariert haben. Bis zu 50 000 Tonnen Schummel-Fleisch sollen so europaweit verkauft worden sein.

Insgesamt wurden vier Betriebe beliefert.  Nach Kontrollen habe ein Betrieb aufgrund des Nachweises von Pferdefleisch seine Produkte vollständig aus dem Handel zurückgezogen. In den anderen Unternehmen wurden keine entsprechenden Spuren gefunden. Derzeit erfolge auch die Überprüfung von aus den Niederlanden gelieferten Rindfleischteilstükken. Die wiederum haben 18 Betriebe im Land erhalten. Das Fleisch sei hauptsächlich über den Einzelhandel verkauft worden.

Verbraucherschutzminister Till Backhaus (SPD) befürwortet unterdessen die Einrichtung einer Koordinatorenstelle auf EU-Ebene für die Lebensmittelkontrolle. Gerade aus Sicht der Regionen sei dies richtig, sagte er. Es sei überlegenswert einen Koordinator einzusetzen, der solche Schlampereien wie den Pferdefleischskandal verfolge. „Wir in Mecklenburg-Vorpommern können die Vorfälle immer nur einen Schritt zurückverfolgen – und da landen wir meistens in Nordrhein-Westfalen, weil dort die großen Kühlhäuser und Verarbeiter angesiedelt sind. Dann verliert sich für uns die Spur und Nordrhein-Westfalen muss übernehmen“, so Backhaus. Daher rühre auch sein Gedanke, eine länderübergreifende Schwerpunktstaatsanwaltschaft Lebensmittelkontrolle einzurichten. Das könne auch dazu beitragen, dass die Strafe schneller auf den Fuß folge, argumentierte der Minister.

„Wir müssen auch die klare Deklaration der Lebensmittel durchsetzen“, forderte Backhaus. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) habe dies bislang verhindert. „Wenn aus Pferdefleisch Granulat für Lasagne gemacht wird, muss das nicht deklariert werden. Wäre es aber Vorschrift, wäre die Schlamperei nicht passiert“, sagte der Minister. Das Grundproblem sei, dass Kapitalismus und freie Marktwirtschaft an diesen Beispielen zeigten, was sie eigentlich machen: „Nämlich Gewinnmaximierung“, so Backhaus. Ein Kilogramm Pferdefleisch koste in Rumänien zwischen 30 und 50 Cent, das Kilo Rindfleisch in Deutschland drei Euro.

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