
| Asyl |
von Eckhard Kruse
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Eine Gruppe von Iranern und Afghanen brach Donnerstagvormittag nach Schwerin auf. Sie wollte hautnah dabei sein, wenn im Landesparlament über die Zukunft des Asylheims in Jürgenstorf debattiert wird. Dabei waren die Flüchtlinge nur guter Hoffnung, dass der Landtag das Asylheim schließen wird. Am Nachmittag hatten sie Gewissheit. Die Einrichtung wird zum 30. Juni 2013 dicht gemacht. So verkündete es Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in seiner Rede. Dann läuft auch der Betreibervertrag mit dem Malteser-Hilfswerk aus.
Als Grund für die geplante Heimschließung nennt der Minister nur wirtschaftliche Gründe. Denn für eine Sanierung wären mehr als 900 000 Euro erforderlich. Die Vorwürfe aus einem offenen Brief der Asylbewerber, dass es fremdenfeindliche Übergriffe gebe und sich ein rassistisches Klima unter den Mitschülern widerspiegele, entbehrten jeglicher Grundlage, meinte Caffier. Der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Die Linke) ist froh, dass der Minister versuchen wird, Asylbewerber dezentral und standortnah unterbringen zu lassen. Caffier bedankte sich nämlich vorab schon einmal für die Unterstützung des Stavenhagener Bürgermeisters Bernd Mahnke.
Wie schlimm ist Jürgenstorf?
Marc Reinhardt, der für die CDU im Landtag sitzt, geht davon aus, dass das Gros der Flüchtlinge auf andere Heime verteilt wird. Denn eine Unterbringung in Wohnungen mache nur Sinn, wenn die Menschen sich auch verständigen könnten. Er habe im Landtag betont, dass dort, wo Europäer leben können, durchaus auch Asylbewerber leben könnten. Jürgenstorf sei nicht Zentralafrika. Anderer Ansicht war offenbar der Landesvorsitzende der „Grünen“, Andreas Katz, der sich zu den Jürgenstorfer Demonstranten gesellt hatte. „Das Asylbewerberheim in Jürgenstorf ist eine Schande für das Land“, kritisierte er. „In Jürgenstorf untergebracht zu sein, ist eine Strafe.“
Ärgerlich war Kim Ayalan von der Unterstützer-Kampagne „Stop it“ nach der Debatte. Über die SPD, die gemeint habe, dass alles nicht so schlimm sei. Und dem Minister warf sie vor, keinen Schimmer davon zu haben, wie es in der Realität der Asylbewerber aussehe. „Man darf nicht vergessen, dass es eine Zwangsunterbringung ist.“ Froh war sie natürlich über die gute Nachricht der Schließung.
„Wir müssen für unsere Forderung kämpfen"
Mit nach Schwerin war auch Mohammed Soltan Sadeh gefahren. „Wir müssen für unsere Forderung kämpfen“, sagte der Afghane, der seit zwei Jahren in Jürgenstorf lebt. Für seine fünf Kinder, die zum Teil in Gymnasialklassen lernen, seine Frau und sich, wünscht er sich eine andere Zukunft. „Ich möchte endlich ein normales Leben beginnen“, betonte er.
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