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Frühjahrsattacke gegen Ehrenbürger Hindenburg

Wenn heute die Rostocker Bürgerschaft darüber entscheidet, ob sie Paul von Hindenburg von der Ehrenliste streicht, folgt sie unter anderen dem Beispiel Pasewalks: Die Kleinstadt ganz im Osten des Landes ging diesen Schritt schon 1996. Ein Jahr zuvor war dort auch Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft aberkannt worden, wie Stadtsprecherin Ines Umnick sagt. Auch auf den Ehrenbürgerlisten von Neubrandenburg, Waren an der Müritz und Anklam findet sich Hindenburgs Name nicht. Stattdessen werden beispielsweise in der Viertorestadt sowjetische Generäle und der mehrfache Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer geehrt. Die Rostocker diskutierten erst vergangenes Jahr erbittert, ob Bundespräsident Joachim Gauck die Ehrenbürgerschaft verliehen werden soll – die er dann im August erhielt.

Rostock will alle Namen auf der Liste prüfen

In der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns beantragt nun die Linksfraktion in der Bürgerschaft 17 Jahre nach Pasewalk Hindenburgs Streichung. Unterstützung findet sie damit beispielsweise auch bei der CDU-Fraktion und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). „Die Stadt Rostock verlieh am 27. April 1933 Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerschaft. Wie in vielen deutschen Städten geschah dies auch in Rostock ohne jeden Ortsbezug der Person Hindenburg. Historiker werten diese Ehrungen als Dankbarkeitsgeste für die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler“, argumentiert Linksfraktionschefin Eva-Maria Kröger.

Mit Notverordnungen, mehrfachen Reichstagsauflösungen und der Zulassung der staatsstreichartigen Absetzung der letzten demokratischen Regierung in Preußen 1932 habe Reichspräsident Hindenburg auf die Auflösung der Weimarer Verfassungsordnung hingearbeitet, „seinem“ Kanzler Adolf Hitler vertraut und völlig freie Hand gelassen.

„Er hat wirklich keine rühmliche Rolle gespielt“

Auch die Christdemokraten in der Bürgerschaft weinen dem Ex-Generalfeldmarschall eigenem Bekunden nach keine Träne nach: „Er hat wirklich keine rühmliche Rolle gespielt“, meint Fraktionschef Dieter Neßelmann. Oberbürgermeister Methling regt nun sogar an, alle auf der Liste verbliebenen Namen noch einmal prüfen zu lassen. „Der Antrag, Hindenburg zu streichen, wird auch von der Verwaltung unterstützt“, sagt Methling.

Ganz andere Sorgen plagen in diesem Zusammenhang die Abgeordneten in Waren an der Müritz. Immer wieder werde im Internetlexikon wikipedia unter der Rubrik „Söhne und Töchter der Stadt“ der Name Doris Zutts, Abgeordnete der rechtsextremen NPD, eingestellt, so eine Stadtsprecherin. Immer wieder müsse die Verwaltung dann die Löschung beantragen. Gegenwärtig gibt es drei Warener Ehrenbürger: den Volkskundler Richard Wossidlo, Pastor Henning Harder und den Mäzen Jost Reinhold. Alle Ehrenbürgerschaften, die vor 1945 und im politischen Zusammenhang vergeben wurden, seien nach 1990 aufgehoben worden.

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