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Grüner aus MV erklärt nach Schmähkritik Parteiaustritt

VonMartina Rathke

Wirbel um einen Kommentar im Internet: Ein grüner Politiker aus Stralsund polemisiert mit NSU-Bezug gegen die FDP-Spitze. Die Empörung auf allen Seiten ist groß. Die Staatsan- waltschaft prüft eine Anzeige.

Stralsund.Nach massiver Kritik an einer Hetzattacke gegen FDP-Parteichef Philipp Rösler hat der Grüne Christopher Kerkovius am Montag seinen Austritt aus der Partei erklärt. Damit wolle er Schaden von den Grünen abwenden, sagte der 69-Jährige. Zuvor hatte sich die Grünen-Landesvorsitzende Claudia Müller klar von dem Kommentar des Parteimitglieds gegen Rösler distanziert und ihm indirekt den Austritt nahegelegt.
Der Stralsunder hatte eigenen Angaben zufolge am Wochenende in einem Internetkommentar bedauert, dass sich die rechtsextreme NSU nicht solche (gemeint war FDP-Chef Rösler) vorgenommen habe. Diese Äußerung nahm das Grünenmitglied, das 2006 für den Landtag kandidiert hatte, später zurück. Er habe sich inzwischen auch in einer Mail an Rösler gewandt und um Entschuldigung gebeten, sagte er. Landesparteichefin Müller zeigte sich entsetzt und bezeichnete den Kommentar als menschenverachtende Äußerung, die sprachlos mache. Eine Entschuldigung reiche nicht aus. Grünen-Landtagsfraktionschef Jürgen Suhr, der ebenfalls aus Stralsund stammt, sprach von einer „Entgleisung, die in keinster Weise akzeptabel ist“. Landesparteivorstand und Kreisvorstand wollten sich am Montagabend mit dem Vorgang befassen.
Scharfe Kritik kam aus den Reihen der FDP. Der ehemalige Landtagskandidat der Grünen habe mit seinen menschenverachtenden Aussagen die Grenzen der Meinungsfreiheit deutlich überschritten, sagte FDP-Landesgeneralsekretär Thomas Heldberg. Mit der Äußerung „verharmlost er auf unterstem Niveau die Morde der rechtsextremistischen NSU.“ Inzwischen ist bei der Staatsanwaltschaft in Stralsund eine Strafanzeige eingegangen. Sie soll nach einem Bericht des NDR von einem FDP-Mitglied stammen. „Wir prüfen jetzt die Vorwürfe“, sagte Oberstaatsanwalt Hans Gibbels.
Der Stralsunder Grüne hatte mit seiner Äußerung einen Internet-Eintrag kommentiert, in dem es hieß, Rösler fordere eine Lohnuntergrenze von vier Euro. „Schade, dass die NSU-Gruppe sich nicht solche vorgenommen hat, denn das wäre nicht so schlimm!“, schrieb der 69-Jährige, wenig später nahm er den Kommentar wieder aus dem Netz. Allerdings zu spät: Er war bereits über Facebook weiter verbreitet worden.
„Es tut mir unendlich leid, dass mir in meiner Empörung über die Nachricht, (die vermutlich auch noch falsch war!), dass Herr Rösler angeblich 4.- Euro als Lohnuntergrenze gesagt haben soll, so aus der Fassung geraten bin“, schreibt der Grüne bei Facebook. Er finde das selbst völlig inakzeptabel und bitte alle, die er verletzt habe, um Verzeihung.

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