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Hektischer Endspurt um neue Kita-Plätze

Die Mädchen und Jungen einer Kindertagesstätte machen spielerisch erste Erfahrungen mit Zahlen. Die Zahl der zusätzlichen Kita-Plätze soll von geplanten 750 000 auf 780 000 steigen. Die einmalige Investitionskosten-Unterstützung des Bundes soll mehr als 500 Millionen Euro betragen.
Die Mädchen und Jungen einer Kindertagesstätte machen spielerisch erste Erfahrungen mit Zahlen. Die Zahl der zusätzlichen Kita-Plätze soll von geplanten 750 000 auf 780 000 steigen. Die einmalige Investitionskosten-Unterstützung des Bundes soll mehr als 500 Millionen Euro betragen.

Noch gut acht Wochen, dann haben Eltern in Deutschland einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr. In den Kommunen läuft der Endspurt, um den teils massiv gestiegenen Bedarf pünktlich zum 1. August decken zu können. Trotz eines im bundesweiten Vergleich herausragenden Angebots an Krippen- und Kitaplätzen müssen auch in Mecklenburg-Vorpommern laut Sozialstaatssekretär Nikolaus Voss weitere Kapazitäten geschaffen werden.

Wird beim Rechtsanspruch getrickst?

Mit der Betreuung von mehr als 70 Prozent der Ein- und Zweijährigen in Kindertageseinrichtungen oder in der Kindertagespflege nimmt Mecklenburg-Vorpommern nach Sachsen-Anhalt unter den deutschen Bundesländern den zweiten Platz ein. Für die Verkleinerung der Kinderzahl in Kita-Gruppen pro Fachkraft investiere das Land jährlich zusätzliche zehn Millionen Euro.

Offenbar haben viele Städte und Gemeinden inzwischen aufgeholt – zumindest quantitativ. Experten rechnen denn auch nicht mehr mit einer deutschlandweiten Welle von Klagen auf Schadensersatz, sondern lediglich mit vereinzelten Verfahren.
Nun schlagen Juristen und Sozialverbände Alarm, weil sie fürchten, dass die Qualität der Betreuungsangebote auf der Strecke bleiben könnte.Wird bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs getrickst? „Teilweise werden die Betreuungsschlüssel verändert – so dass weniger Personal für mehr Kinder zuständig ist“, erklärte Ronald Richter, Sozialexperte des Deutschen Anwaltsvereins.

Umsetzung des Kita-Anspruchs ist ein Kraftakt

Immer größere Gruppen, Abstriche beim Personalschlüssel und viel zu wenige qualifizierte Erzieher – die Arbeiterwohlfahrt untermauert diesen Befund mittels einer Befragung von gut 1000 AWO-Kitas. Demnach behelfen sich Kommunen mit Notlösungen und schrauben die Qualitätsstandards herunter. „Wir arbeiten hier ständig hart an der Grenze zu kindeswohlgefährdenden Bedingungen“, wird eine Kita-Leiterin zitiert.

Die Umsetzung des Anspruchs ist ein Kraftakt für die Kommunen.
Für MV wies das Sozialministerium die Kritik zurück. Das Land habe seit vielen Jahren ein Fachkräftegebot im Gesetz verankert. Danach dürfen Kinder in den Kitas nur von pädagogischen Fachkräften betreut werden.

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