Nordkurier.de

Helfen die Berliner Millionen unseren Schulabbrechern?

VonFrank Wilhelm

Bildungs- und Sozial- ministerium müssen bei dieser Frage mit den Schultern zucken. Und das, obwohl Mecklenburg- Vorpommern die rote Laterne hält: Nirgendwo sonst brechen so viele Jugendliche die Schule ab.

Schwerin.Nein, sie werden wohl keine Freunde mehr: CDU-Bundestagsabgeordneter Eckhardt Rehberg und Simone Oldenburg, Vize-Fraktionschef der Linken im Landtag, auf der einen Seite. An der anderen Front Sozialministerin Manuela Schwesig und Bildungsminister Mathias Brodkorb (beide SPD). Dabei taugt das Thema, um das sich dieses Mal der Streit dreht, nicht zum Parteiengezänk. Es geht um Schulabbrecher und Bundesprogramme, die gegensteuern. Immerhin, so Oldenburg, würden zwölf Prozent aller Jugendlichen in MV die Schule abbrechen. „Die absolut höchste Quote in Deutschland.“
„Jugend stärken“ – unter diesem Motto steckt der Bund Millionen in verschiedene Hilfsprogramme. Da liegt es nahe, nach der Sinnhaftigkeit zu fragen, wie es Oldenburg tat. Auf neun Seiten antwortete Brodkorb. So erklärt er, das für das Programm „Schulverweigerung – Die
2. Chance“ Bundesmittel über verschiedene Träger in Neubrandenburg, Friedland und Waren umgesetzt wurden. Allerdings, so heißt es immer wieder, könne keine Auskunft über Ergebnisse gegeben werden, handele es sich doch um Bundesprogramme. So bleibt unklar, wie viele Jugendliche nach einer Maßnahme einen Ausbildungsvertrag bekamen.
Dass Brodkorb viele Antworten schuldig bleibt, ist für Oldenburg ein „Unding“. „Mit der Vielfalt der Programme ist die Übersicht der Ministerien im Förderdschungel verlorengegangen“, sagt sie und bezieht Schwesigs Ressort mit ein. Das Thema Bildung müsse allein in der Hand des Bildungsministers liegen. „Mit Erschrecken“ reagierte Rehberg. Während Schwerin davon ausgehe, dass das Schulverweiger-Programm nicht fortgeführt werde, habe das Bundesfamilienministerium im März Eckpunkte des Nachfolgeprogramms „Jugend stärken plus“ vorgestellt. Das Sozialministerium MV habe allerdings mit „Abwesenheit geglänzt“. „Offensichtlich herrscht pures Desinteresse“, so Rehberg. Brodkorbs Sprecher wollte die Kritik nicht kommentieren. Schwesigs Sprecher sagte, Oldenburgs Vorwurf ziele ins Leere: „Von einem Förderdschungel kann keine Rede sein.“

Kontakt zum Autor
f.wilhelm@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×