Hiddenseer Bürgermeister kommt CDU-Ausschluss zuvor

Der Hiddenseer Bürgermeister Thomas Gens ist einer Entscheidung des CDU-Kreisparteigerichtes am Mittwochabend über seinen Parteiausschluss zuvorgekommen und hat wenige Stunden zuvor seinen Austritt erklärt.

Vorangegangen war ein jahrelanger Streit um die Vergangenheit von Gens: So wurde ihm vorgeworfen, eine Mitgliedschaft in der rechtsextremen DVU beim Eintritt in die CDU verschwiegen zu haben. Hinzu kommt der kursierende Verdacht, dass Gens in seiner Jugend für die Stasi gearbeitet haben soll, gegen den sich der Bürgermeister aber wehrt.

Gens spricht von „Hetz- und Treibjagd“

„Für mich ist das Kapitel CDU erledigt. Als ehrenamtlicher Bürgermeister habe ich genug zu tun und will meine Kraft nicht für langwierige Gerichtsverfahren verschwenden“, sagte Gens. Darüber hinaus spricht der Bürgermeister von einer fast zweijährigen „Hetz- und Treibjagd“. Der CDU-Ortsverband jedenfalls stehe geschlossen hinter ihm. „Das kann möglicherweise Konsequenzen haben“, drohte Gens offenbar mit Blick auf die künftige Position der Christdemokraten in der Region. Den Vorwurf, er habe seine Mitgliedschaft in der DVU verschwiegen, quittierte Gens so: „Das ist Unfug. Alle haben davon gewusst.“ Außerdem müssten sich nach dieser Logik alle CDU-Mitglieder beispielsweise nach ehemaligen Mitgliedschaften beispielsweise in der SED, der GST oder der DSF fragen lassen.

Dem CDU-Kreisvorsitzenden Vorpommern-Rügen und Landes-Wirtschaftsminister Harry Glawe war indes die Erleichterung anzuhören: „Herr Gens hat die Konsequenzen gezogen. Das Kreisparteigericht sieht nun keinen Anlass mehr, zu verhandeln. Das Gericht hätte ihn ausgeschlossen. Aber damit ist die Sache nun erledigt.“ Glawe fügte hinzu, dass Gens auf eine Befragung angegeben hätte, lediglich Mitglied der Volkspartei MV gewesen zu sein. Gens trat übrigens bei der Landtagswahl 2011 als CDU-Direktkandidat für die Insel Rügen an. Während dieser Phase flog seine ehemalige DVU-Mitgliedschaft auf.

Drohung mit "kostenpflichtiger Abmahnung"

Erst im vergangenen Herbst sorgte der Bürgermeister dann wieder für Schlagzeilen – und zwar bundesweit. Hintergrund: Eine 16-Jährige hatte Gens für die Insel-Schülerzeitung nach seiner Vergangenheit befragt. Nachdem das Interview erschienen war, ging Gens scharf gegen die 16-Jährige vor, drohte mit juristischen Schritten. So griff er tief in die Trickkiste und bezog sich auf ein mitabgedrucktes Foto von ihm. Er, so Gens, in einem Schreiben an die Schulleitung, sei alleiniger Urheber des Fotos und behalte sich vor, die Schülerin „kostenpflichtig abzumahnen“. Die Insel-Schülerzeitung erhielt dann Anfang dieses Jahres einen der renommiertesten Preise für Nachwuchsjournalisten in Deutschland.
 

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