
| Altersgerechte Zellen geplant |
von Thomas Volgmann
|
Alter schützt vor Kriminalität nicht. In Mecklenburg-Vorpommern steigt die Zahl der Straftäter im Seniorenalter deutlich – im vergangenen Jahr sogar um 13,6 Prozent. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) ertappte die Polizei 2011 landesweit 2472 Frauen und Männer im Alter über 60 Jahren bei Straftaten. Im Jahr zuvor waren es noch 417 Omas und Opas weniger, die als Tatverdächtige in die Kriminalitätsstatistik eingingen.
Für das LKA ist der demografische Faktor die Hauptursache. „Es gibt eben immer mehr ältere Menschen“, sagt LKA-Sprecherin Synke Kern, „darum vergrößert sich auch ihr prozentualer Anteil am Kriminalitätsgeschehen“. Professor Frieder Dünkel, Kriminologe aus Greifswald, hat die Alterskriminalität untersucht. „In Einzelfällen spielt auch die gestiegene Altersarmut eine Rolle“, erklärt er. Zu den häufigsten Senioren-Straftaten gehören Betrug, Sachbeschädigung, Ladendiebstähle, manchmal Körperverletzung und Beleidigung.
„Schwere Straftaten kommen bei Senioren allerdings selten vor“, sagt Professor Dunkel. Meistens handelt es sich um Bagatelldelikte. Dennoch steigt auch die Zahl der Strafgefangenen im Alter über 60 Jahren. Waren nach Angaben aus dem Justizministerium im Jahr 2009 noch 14 Inhaftierte in den Gefängnissen des Landes im Seniorenalter, hatte sich deren Zahl bis zum März 2012 mit 27 nahezu verdoppelt.
Gemessen an der Gesamtzahl von etwa 1300 Häftlingen spielt der Anteil der Senioren im Strafvollzug allerdings noch eine untergeordnete Rolle. „Wir haben aber die Entwicklung im Blick“, sagt Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) gegenüber unserer Redaktion. Ein Senioren-Trakt im Gefängnis wäre, wenn der Bedarf weiter zunimmt, denkbar.
Beim 4,5 Millionen Euro teuren Neubau der Sicherungsverwahrung auf dem Gelände der Vollzugsanstalt Bützow werden laut Kuder bereits Wohneinheiten für Alte eingerichtet – extra breite Türen und besonders freundliches Wachpersonal.
|
|