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Kleine Seeräuber lassen Politiker nicht vom Haken

„Ameisenscheiße“ auf der Freitreppe der Staatskanzlei? Lieber nicht. „Spaghetti“ ruft Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und gut 50 Mädchen und Jungen fallen ein. Fototermin am Kindertag mit Grundschülern aus Neubrandenburg und den Dörfern Bröbberow (Landkreis Rostock) und Balow (Ludwigslust-Parchim). Sie sind Sieger im Wettbewerb „Wir sind klasse“, den die Staatskanzlei erstmals ausgerufen hatte. Rund 30 Bewerbungen gingen ein, darunter ein Musikprojekt von der Klasse 4a der Grundschule „Hans Christian Andersen“ in der Neubrandenburger Oststadt. Nun verbringen die Kinder einen Tag beim Ministerpräsidenten in der Landeshauptstadt. Bevor es zur Party ins Freilichtmuseum geht, zeigt er seinen Arbeitsplatz.

Die Neubrandenburger tragen ihre Totenkopf-Fahnen ins hohe Haus und bringen ihrem (bartlosen) Gastgeber ein Ständchen: „Männer müssen Bärte haben. Ohne Haar am Kinn hat das Leben keinen Sinn.“ Zwei Jahre lange hatte die Klasse 4a im Hort der „Lebenshilfe“ an einem Musical über Piraten gearbeitet. Ihre Begleitung, die Trommelgruppe des Behindertenvereins, musste am Kindertag zu Hause bleiben. Erwin Sellering wird sie bei nächster Gelegenheit besuchen, wie er verspricht.

Ist das Treppengeländer aus echtem Gold?

Das Treppengeländer im Regierungsgebäude weckt das Interesse der Piraten. Ist das echtes Gold? „Nur angestrichen“, sagt Erwin Sellering. Ein gutes Fotomotiv gibt es dennoch ab. Wie überhaupt so einiges in dem 180 Jahre alten Haus. Es wurde einst gebaut für die Regierung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, der gegenüber im Schloss gelebt hat. Klasse 4a lässt sich im Sitzungssaal nieder. Jeden Dienstag um 10 Uhr, wenn für die Kinder Mathe ansteht, treffen sich dort die Ministerinnen und Minister – das Kabinett. Jeremia hat den Stuhl mit der höchsten Lehne geentert, es ist der Chefsessel. Felix erfährt, dass sein Stuhl dem Bildungsminister gehört. Der könnte doch sicher schulfrei geben, oder?

Die Piraten nehmen die Frage mit ins Büro des Ministerpräsidenten. Könnte ein Jahr lang die Schule ausfallen, wenn es der Herr Sellering nur wollte? Keine Chance. „Ich muss mich immer an die Gesetze halten bei allem, was ich entscheide“, erklärt er. Ob ihm das Entscheiden schwerfällt? Sellering zeigt auf seinen Beratungstisch. „Da sitze ich mit den Leuten, die von einer Sache die meiste Ahnung haben, und wir diskutieren. Danach ist es viel einfacher, etwas zu entscheiden.“ Ob er schon mal Frau Merkel getroffen hat? Gerade erst am Tag zuvor, als sie in Schwerin war, um nach einem neuen Werk für Kaffeekapseln zu sehen.

Was kosten die Schuhe des Ministerpräsidenten?

Die Piraten sind unersättlich. Wie lange will Herr Sellering noch Ministerpräsident bleiben? „Gaaaanz lange.“ Was kosten seine Schuhe? „Diese hier her haben deutlich unter 100 Euro gekostet.“ Und der Anzug? „Den kaufe ich immer bei ein und derselben Marke, da kosten die zwischen 300 und 400 Euro.“ Verdient er viel? „Ja.“

Aus dem Hintergrund kommt das Zeichen für den Aufbruch. Die Busse zum Freilichtmuseum stehen bereit. Teil 2 des Kindertages. Die Neubrandenburger Piraten lassen ein Bild in der Staatskanzlei zurück: „Damit Sie eine Erinnerung an uns haben.“ Die neugierigen Seeräuber dürfte er tatsächlich nicht so schnell vergessen.

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