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Land kennt Werft-Risiko seit 2010

VonAndreas Frost

Die Landesregierung hat schon frühzeitig Warnungen vor den enormen Risiken einer Sanierung der P+S-Werften erhalten.

Schwerin.Die Werften in Stralsund und Wolgast waren zu den Bedingungen der Schweriner Landesregierung 2010 nicht sanierungsfähig. So jedenfalls schätzte Martin Hammer vor gut drei Jahren die Lage der Schiffbaubetriebe ein, die noch zur Bremer Hegemann-Gruppe gehörten. Die Unternehmen hätten mehr Zuschüsse gebraucht oder weniger Kosten verursachen müssen. Bei der Landesregierung fand er mit seinem rigorosen Urteil kein Gehör, berichtete Hammer gestern vor dem Werften-Untersuchungsausschuss des Landtags. Hammer war als professioneller Sanierer geholt worden, um die Werften zu retten. Er gab den Auftrag im Januar 2010 zurück.
Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) soll klären, ob die Landesregierung ein zu hohes Risiko einging, als sie den P+S-Werften wiederholt finanzielle Hilfe leistete. Die Werften meldeten im Sommer 2012 Insolvenz an. Das Land muss nun für Verluste in Höhe von bis zu 270 Millionen Euro gerade stehen.
Im Dezember 2009 sah Hammer durchaus noch Licht am Ende des Tunnels. Wie Landesregierung, Banken und andere Wirtschaftsprüfer glaubte er einem Gutachten der Beraterfirma KPMG, das die beiden Werften mit ihren 3000 Mitarbeitern eine Zukunft vorhersagte. Wenig später wurde dieses Gutachten „nachgebessert“. Rund 112 Millionen Euro vor allem an Kosten für Zinsen, Bürgschaften und Berater sollten die Werften nun zusätzlich stemmen. Laut Hammer war das unmöglich.
Die Sanierung wurde ohne Hammer versucht. Land, Bund und Banken steckten 2010 noch einmal 326 Millionen Euro in die Werften. Hammer räumte ein, dass seine Meinung „diamentral“ den Auffassungen der anderen Gutachter und Bankenvertreter entgegenstand.

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