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Lange Kälte treibt Heizkosten hoch

Der lange Winter und das kühle Frühjahr gehen den meisten Deutschen nicht nur auf den Nerven, sondern auch an den Geldbeutel. Die Heizperiode verlängerte sich um mehrere Wochen; bis weit in den Mai hinein liefen in vielen Regionen die Heizungen. Und das kostet Geld.

Noch schlägt Energieexperte Horst Frank von der Verbraucherzentrale in Neubrandenburg keinen Alarm. „Vielleicht halten sich ja die Kosten noch die Waage“, meint er mit Hoffnung auf einen milden Jahresverlauf bis Dezember. Abgerechnet werde 2013 aber erst im kommenden Jahr. „Dann könnte das dicke Ende wirklich kommen“, ahnt er. Noch könne jeder seine Energierechnung beeinflussen. Zum einen dadurch, den Verbrauch im eigenen Haushalt zu senken, zum anderen durch den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter, empfiehlt der Verbraucherschützer.

„Für diese Heizperiode müssen rund elf Prozent mehr Energie aufgewendet werden als im Vorjahr“, hat das Energieportal Verivox durch Auswertung von Wetterdaten bis Ende März errechnet. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft meldet einen höheren Gasverbrauch von etwa neun Prozent im ersten Quartal.

Rund 15 Prozent Aufschlag in der Heizperiode

Diesen Trend bestätigt René Stüpmann. In den ersten vier Monaten sei der Wärmebedarf in den Liegenschaften der Wohnbau Prenzlau um etwa acht Prozent gestiegen, erklärt der Geschäftsführer nach der Analyse von 70 Prozent der rund 3600 Wohnungen des Unternehmens. Gleichzeitig sei es durch „Optimierung“ gelungen, die „warmen Betriebskosten“ für die Mieter um zwei Prozent zu senken. „Damit bewegen wir uns gegen den Trend“, betont er.

Einen Mehrverbrauch bei einem Teil der Mieter beobachtet auch Roman Gossow, Geschäftsführer der Ueckermünder Wohnungsbaugesellschaft. „Wir stecken aber noch mitten in den Abrechnungen für 2012“, berichtet er. Es gebe aber auch Nutzer, die weniger verbraucht haben.

Schmerzgrenze bei vielen erreicht

Die Preise für Energie haben dagegen ihren langen Anstieg erst einmal beendet. Zum Beispiel Heizöl: Im vergangenen Jahr mussten die Verbraucher mit durchschnittlich 90 Euro je 100 Liter so viel bezahlen wie noch nie. Seit Jahresbeginn liegt der Preis fast durchgängig unter dieser Marke. Der gegenwärtige Preis von rund 83 Euro ist im langfristigen Vergleich immer noch hoch. Auch die Gaspreisentwicklung hat sich etwas beruhigt, allerdings kann das je nach Anbieter recht unterschiedlich sein.

Die Mehrbelastung für den einzelnen Haushalt durch den zusätzlichen Verbrauch in diesem Winter und Frühjahr ist ebenfalls sehr individuell, dürfte aber selbst bei Singles bei mehr als 100 Euro liegen. „Wir rechnen für Mieter mit rund 15 Prozent höheren Heizkosten in dieser Heizperiode“, sagt Siegmund Chychla vom Hamburger Mieterbund.

Für viele Haushalte sei die Schmerzgrenze erreicht. „Die Menschen in Deutschland müssen sich überlegen, wie sie mit ihren begrenzten Ressourcen umgehen“, sagt Chychla. „Um Miete und Nebenkosten zu bezahlen, müssen sie auf anderes verzichten.“ Wer nichts zum Verzichten hat, sollte nach Ansicht der Mieterorganisationen einen Zuschuss zu den Heizkosten erhalten.

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