Nordkurier.de

Lärmschutz soll Schweinswale retten

Der Direktor des Stralsunder Meeresmuseums, Harald Benke, steht hinter einem Abguss-Modell eines Schweinswals. Für den Erhalt des Säugers wird seit Jahren gekämpft.  FOTO: Stefan Sauer
Der Direktor des Stralsunder Meeresmuseums, Harald Benke, steht hinter einem Abguss-Modell eines Schweinswals. Für den Erhalt des Säugers wird seit Jahren gekämpft. FOTO: Stefan Sauer

VonMartina Rathke

In der Ostsee gilt die östliche Schweinswalpopulation als vom Aussterben bedroht. Forscher arbeiten an Schutzplänen, die die gesamte deutsche Nord- und Ostsee erfassen. Fischer befürchten weitere Einschränkungen.

Stralsund.Schweinswale in Nord- und Ostsee sollen künftig besser vor menschlichen Gefährdungen wie Unterwasserlärm und Fischerei geschützt werden. Das Bundesamt für Naturschutz erarbeitet derzeit Managementpläne, die weit über die Meeresschutzgebiete hinausreichen. Unterwasserlärm und die Fischerei stellen eine flächendeckende Gefährdung der Meeressäuger dar, sagte der Wissenschaftliche Direktor für Meeresnaturschutz am Bundesamt für Naturschutz (BfN), Henning von Nordheim. Vor allem die Schweinswale in der östlichen Ostsee, die aufgrund genetischer Merkmale eine eigene Population darstellen, sind seit Jahren stark bedroht.
Groben Schätzungen zufolge gibt es von den Tieren, die östlich des Darßes leben, nur noch 200 bis 600 Exemplare. Jährlich am dritten Sonntag im Mai wird mit dem Tag des Ostsee-Schweinswals vor allem auf die Bedrohung dieser Population aufmerksam gemacht. Wie von Nordheim sagte, werden die Managementpläne in Abstimmung mit den betroffenen Bundesländern erarbeitet. „Es ist klar, dass in Meeresschutzgebieten die Regulierung strenger sein wird als in den anderen Meeresgebieten“, sagte der Meeresbiologe.

Stellnetzverbot-Plan treibt Fischer zu Protesten
Umstritten ist vor allem ein geplantes und von den Ostseefischern kritisiertes Stellnetzverbot in den Schutzgebieten. Experten halten es für erforderlich, dass die Fangmethoden langfristig umgestellt werden, um die Beifänge von Schweinswalen oder Vögeln zu vermeiden. Schweinswale orientieren sich per Echo-Ortung und reagieren besonders sensibel auf Lärm, der durch Schiffsschrauben und das Rammen von Offshore-Anlagen entsteht. Beim Bau der Windparks erlaubt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie einen maximalen Lärmpegel von 160 Dezibel in 750 Meter Entfernung von der Rammstelle.
Von Nordheim sprach sich für die konsequente Umsetzung dieser Vorschrift und deren Ausweitung auf andere Lärmquellen wie die Schifffahrt aus. „Wir wissen, dass Schweinswale in der Nordsee Schifffahrtsrouten wegen des Lärms meiden.“ Das Abkommen zum Schutz der Kleinwale und insbesondere die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU verpflichten die Mitgliedsstaaten zum Schutz der Tiere. Die Managementpläne selbst haben von Nordheim zufolge zwar keinen rechtsverbindlichen Charakter, stellen aber die Grundlage für Maßnahmen dar, die von den zuständigen Behörden für Fischerei oder Schifffahrt umgesetzt werden müssen.
In der Ostsee westlich der Darßer Schwelle leben nach Angaben des Bundesamtes zwischen 10000 und 12 000 Tiere, davon rund 2500 in deutschen Gewässern. In der Nordsee wird die Population auf 250000 bis 300000 Tiere geschätzt, von denen rund 60000 hauptsächlich in deutschen Gewässern leben.
Im Rahmen eines 2011 gestarteten internationalen Projektes (SAMBAH) haben Forscher Schweinswale in der gesamten Ostsee nachgewiesen – allerdings im östlichen Teil nur in sehr geringer Verbreitung. Im Rahmen des Projektes werden derzeit rund 300 Unterwassermikrofone ein letztes Mal in der Ostsee verankert, um die sogenannten Klick-Laute der Wale zu erfassen. Die auf diesem Wege gewonnenen Informationen über die Anzahl und Wanderung der Tiere sollen in die Managementvorschläge einfließen.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×