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Leiharbeit: Ausbeutung oder Chance?

VonAndreas Frost

Jobs auf Zeit sind der Linkspartei ein Dorn im Auge. Sie fordert politischen Druck. Die Arbeitgeber und die Mehrheit im Landtag sehen das aber anders.

Schwerin.Die Linkspartei will den Missbrauch von Leiharbeit beendet sehen. Sie werde häufig genutzt, um Stammarbeitsplätze zu streichen und die Arbeit von schlechter bezahlten Leiharbeitern verrichten zu lassen, behauptet Landtagsfraktionschef Helmut Holter. Die Arbeitgeberverbände bestreiten dies, zumal in Mecklenburg-Vorpommern die sowieso geringe Zahl der Leiharbeiter seit 2011 weiter gesunken ist. Auch der Landtag erteilte dem Ansinnen der Linken eine Abfuhr. Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU wiesen am Freitag einen Antrag ab, im Bundesrat gegen Leiharbeit aktiv zu werden.
Leiharbeiter verdienen laut Linkspartei häufig nur die Hälfte vom mittleren Bruttolohn deutscher Arbeitnehmer. Bis zu 15 Prozent der Leiharbeiter mussten zusätzlich Hartz IV beantragen, so eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Jens Matschenz, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV, hält den Vergleich der Leiharbeiterlöhne mit dem Durchschnittlohn für wackelig. „Ein Drittel der Leiharbeiter in Mecklenburg-Vorpommern sind Hilfsarbeiter. Sie arbeiten etwa im Transport oder im Lager oder als Schlosser.“ Zudem sei Leiharbeit für viele Betroffene eine Brücke in den Arbeitsmarkt. Inzwischen hätten gut qualifizierte Leiharbeiter bessere Chancen auf einen festen Job, da in vielen Betrieben die Facharbeiter fehlen.
Im Januar 2013 waren in Mecklenburg-Vorpommern 9200 Zeitarbeiter im Einsatz. Das waren gut zehn Prozent weniger als zwei Jahre zuvor, so Horst Schmidt von der Agentur Nord in Kiel.

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