
| Protest gegen NPD-Pressefest bei Pasewalk |
von Frank Wilhelm
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„Wir sind auf jeden Fall mehr als die!“ Da hatte die Frau am Stand der SPD am Rande der Menschenkette zwischen Pasewalk und Viereck (Landkreis Vorpommern-Greifswald) am Sonnabend Nachmittag unbedingt Recht. Rund 2000 Menschen hatten sich zwischen den beiden Gemeinden versammelt – nach Angaben der Polizei. Beobachter schätzten die Zahl auf weit mehr als 2000 Personen, die aus dem ganzen Osten Mecklenburgs und Vorpommern angereist waren: Aus Neubrandenburg und Greifswald, aus Ueckermünde und Torgelow und vielen, vielen anderen Orten. Zudem kamen etliche Bürger aus Polen.
Zur gleichen Zeit hatten sich auf dem Gelände des NPD-Pressefestes rund um einen ehemaligen Schweinestall bei Viereck gerade mal 200 Neonazis und Sympathisanten versammelt. Ein Großteil von ihnen fuhr vorher an der Menschenkette vorbei. Vielleicht haben sie dabei auch die Plakate wahrnehmen müssen, die da beispielsweise lauteten „Kein Ort für Nazis in Vorpommern“, „Viereck ist kein rechter Winkel“ oder „Dumm wie Kruppstahl“.
"Toll, wie viele Menschen aus Vorpommern gekommen sind"
In der Demokratiemeile zwischen Pasewalk und Viereck standen die SPD-Mitglieder neben den Piraten, die CDU nicht unweit der Linken. Irgendwo, zwei Kilometer hinterm Ortsausgang von Pasewalk, erklangen Posaunen am Straßenrand. Gleich unter einem Storch Heinar-Poster, dem mittlerweile berühmten Anti-Nazi-Vogel, hatten sich Mitglieder des Posaunenchors der Kirchgemeinde Zerrenthin, ein Dorf östlich von Pasewalk, versammelt und spielten Volkslieder und „peppige Songs“, wie Matthias Bohl. Er spielt nicht nur Posaune, sondern ist auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Menschenkette. „Ich bin begeistert, toll, wie viele Menschen auch gerade aus Vorpommern gekommen sind“, sagte Bohl.
Darunter waren auch Gymnasiasten aus Ueckermünde, die mit dem Fahrrad und ihren Plakaten gekommen waren, die sie zuvor entworfen und gemalt hatten. Am Rande dirigierte Rainer Dambach (parteilos), Bürgermeister von Pasewalk die Menschenmassen, die sich kurz nach 13.30 Uhr an die Hand fassten. Die Kirchenglocken, die das Signal zum Verbinden geben sollten, waren zwar nicht so richtig zu hören, das machte aber Niemandem etwas aus. „Toll, dass soe viele Menschen gekommen sind. Das hätte ich nicht erwartet“, sagte Dambach. Er konnte auch zahlreiche seiner Amtskollegen aus Torgelow, Greifswald, Ueckermünde, Anklam, Liepgarten und Vogelsang-Warsin begrüßen, daneben zahlreiche Abgeordnete, unter ihnen Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) und Europaabgeordneter Werner Kuhn (CDU).
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